Im FEBRUAR 2017 – von Dr. Peter Boskamp…


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Wie Sie vielleicht schon gesehen haben, sind wir vom niederländischen Brieftaubenverband  (NPO) angesprochen worden,  offizieller Sponsor der Nationalen Tage im Jahr 2017 zu werden. Man fragte uns nach unserer Vision zur medizinischen Taubenführung von heute. Vielen Sportsfreunden ist bekannt, dass ich persönlich seit mehr als 30 Jahren ein Förderer  der natürlicheren Versorgung  im Taubensport bin. Eine Anzahl von Kollegen  ist  ganz anderer Meinung. Ich glaube, dass es mehrere Wege gibt, die nach Rom führen. Jeder Züchter kann für sich selbst bestimmen  was der richtige Weg für ihn ist. Ich gab mir die Aufgabe, eine objektive Sicht auf die Möglichkeiten zu skizzieren. Die eine im Hinblick auf die klassische Sicht der Versorgung, insbesondere mit Medikamenten (d.h. Antibiotika) und die andere mit einem natürlicheren Ansatz, wobei es hier auch mehrere Möglichkeiten gibt.

 

Antibiotika

Als ich vor etwa 30 Jahren anfing, einen natürlicheren Weg im Taubensport zu fordern,  war ich wie eine einzelne Stimme in der Wildnis oder ein Ruderer, der versuchte, gegen den Strom zu rudern. Ist es nicht merkwürdig, dass  wir immer wieder an die Vergangenheit denken. Zu dieser Zeit war sogar die Regierung ein starker Unterstützer der Antibiotikaverwendung. Es gab Gesetze, die sogar die Verwendung von Antibiotika in Tierfutter förderten. Offene Ohren für das Risiko der Resistenzinduktion durch übermäßigen Antibiotika-Gebrauch waren kaum da.

Man hatte  keine Zeit dafür. Also gab es auch im Taubensport eine Antibiotika- Kultur als Allheilmittel für alle Krankheiten. Jetzt könnten Sie denken  ich wäre ein Gegner von Antibiotika.  Nun da liegen sie falsch.  Ich bin sehr froh, dass diese Substanzen existieren. Tatsächlich habe auch ich dies mein Leben zu verdanken.  Als kleines Kind wurde ich von einer schweren Glomerulonephritis (Blutvergiftung) getroffen, die mich fast ein halbes Jahr im Krankenhaus verbringen lies. Ohne die Existenz von Penicillin zu der Zeit, hätte ich diesen Artikel nicht mehr geschrieben. Möglich, dass diese Erfahrung dafür gesorgt hat, dass ich mich für eine weise Nutzung dieser Ressourcen bemühe. Ich habe vor kurzem gelesen, dass eine Frau an einer Blasenentzündung verstorben ist. Deshalb,  weil die Bakterien, die eine Blasenentzündung verursachen, nicht mehr behandelbar waren. Es könnte auch deine Frau, Mutter, Tochter oder Enkelin treffen.

All dies bedeutet nicht, dass ich, falls erforderlich,  keine Antibiotika verwenden werde, um einer kranken Taube mit einer Infektionskrankheit  zu helfen. Wenn Antibiotika benötigt werden, dann werden sie eingesetzt. Klar.

Allerdings ändert sich die Zeit drastisch. Wo einmal, auch die Regierung den Antibiotikaeinsatz  gefördert hat, hat sich die gleiche Regierung nun um 180 Grad gedreht. Das Ziel ist jetzt eine Regierungspolitik, die  Antibiotika nicht nur so wenig wie möglich nutzen lässt, sondern die sich anschaut, wie Antibiotika sich auswirkt. Das gilt als völliger Bruch mit der alten Politik. Der  Taubensport und die Züchter sollten das auch erkennen. Die niederländische Gesetzgebung geht im Vergleich zu den umliegenden Ländern in diesen  Verordnungen noch hinaus. So verstehen die Sportsfreunde aus Grenzgebieten oft nicht, dass die Verschreibung bestimmter Wirkstoffe in den Niederlanden eingeschränkt ist, da diese Wirkstoffe  in unseren Nachbarländern ohne viele Probleme zur Verfügung stehen.
Tierärzte in den Niederlanden haben jedoch mit den niederländischen Vorschriften zu tun.

 

Gesundheitsvorsorge versus Krankheitbekämpfung

Wie ich schon früher geschrieben habe, war ich für einen natürlicheren Ansatz  lange bevor die Gesetzgebung die tägliche Praxis überholt hatte. Diese Einschränkung bei der Verwendung von Antibiotika kam aus einer Vision, bei der wir es im Taubensport nicht nur mit Krankheitsbekämfung zu tun haben, sondern dass es neben der Leistungssteigerung auch um Gesundheitspflege geht.

Was ist damit  gemeint? In meinem Buch „Halten Sie Tauben gesund „ (bis jetzt nur auf Niederländisch), versuche ich klar zu machen, dass wir mit Krankheitsbekämpfung, Gesundheitspflege und Leistungssteigerung umgehen müssen. Natürlich sind dies in der täglichen Praxis überlappende Bereiche. Aber Jahre der Beobachtung zeigten, dass viele Liebhaber nur mit Krankheitsbekämpfung  und Leistungssteigerung umgehen wollen. Sorge um die Gesundheit wird als Geschenk der Natur gesehen. Etwas, das natürlich existiert, wenn man den Vögeln Nahrung und Wasser gibt. Solange es wenig Stress gibt, wird das oft richtig sein. Aber wenn Stress ins Spiel kommt, kann sich diese Geschichte völlig verändern. Krankheiten lauern dann überall und warten auf ihre Chance. Die Stabilität der Gesundheit bestimmt auch, ob dies leicht gelingen kann oder auch nicht.

Tierärzte sind ausgebildet Krankheiten zu heilen. Wenn Sie einen klassischen  Tierarzt besuchen,  wird dieser Ihre Tauben auf das Vorhandensein von Krankheiten überprüfen und ggf. eine Behandlung vorschlagen. Daran ist nichts falsch. Auch ich untersuche die Tauben auf Krankheiten und schlage, falls nötig, eine Behandlung vor. Allerdings halte ich es für eine verpasste Gelegenheit, wenn ich dem Züchter nicht erkläre, dass nach dieser Behandlung die Krankheit zwar verschwunden sein kann, aber nicht sofort die Gesundheit der Tauben wieder vollständig hergestellt ist. Jeder Züchter versteht, dass wir nach einer überstandenen Grippe nicht sofort einen Marathon laufen können. Jeder versteht, dass die Gesundheit zuerst optimiert werden muss. Dennoch haben viele Züchter immer noch die Vorstellung, dass die Tauben nach einer  Krankheit  in den Reisekorb zurück und  eine (Top-) Leistung erbringen können. Nun gibt es immer wieder  Wunder  aber in der Regel braucht der Körper nach einer Krankheit  noch etwas Zeit zur Erholung.

Die Möglichkeiten diesen Prozess zu unterstützen, definiere ich mit Gesundheitspflege. Gesundheitsvorsorge  umschreibt  die Handlungen, die Tauben weniger anfälliger  für Krankheiten zu machen. Ausreichende Abwehrkräfte  aufbauen. Und genau diese  Gesundheitsvorsorge wird in der Veterinärmedizin und dem Brieftaubensport oft vernachlässigt. Der Züchter, dem es  wichtig ist, die Abwehrkräfte  zu optimieren, wird oft mit dem Verdacht des Medikamentengebrauchs  in Verbindung gebracht.
Aber es ist wie Cruyff schon gesagt hat: Du wirst es nur sehen, wenn du es hast.

Während der vergangenen Jahre war meine These und sie ist es immer noch: Fördern  Sie die Gesundheit – stimulieren Sie die Abwehrkräfte – dann gibt es weniger Risiko für Krankheiten. Die Wege dies zu erreichen, werde ich in weiteren Beiträgen erläutern. Schließlich entscheidet jeder Züchter selber, welchen Weg er einschlagen möchte. Und das ist auch gut so.  Ich möchte nur ein paar Möglichkeiten in der nächsten Zeit beschreiben. Es gibt dem Züchter Veränderungen an die Hand, um seine Vorteile daraus zu erkennen oder auch nicht.

 

Gut Flug !

boskamp bei untersuchung1

Ihr Peter Boskamp

 

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Boskamp februar 2017