Fütterungskonzept für die Mauser – von Alfred Berger…


Wie heißt es so schön? Nach dem Spiel ist vor dem Spiel? Bezogen auf unsere Brieftauben bedeutet dies, dass die Vorbereitung einer erfolgreichen Reisesaison bereits nach Abschluss der vorherigen beginnt. Im Bezug auf die Mauser sollte es dann klar sein, dass man natürlich eine möglichst reibungslose Mauser des Deck- und Kleingefieders anstreben sollte. Auf welche Besonderheiten kann man also achten, insbesondere für die Versorgung unserer Leistungsträger?
Eins ist auf jeden Fall unbestritten, die Brieftaube hat während der Mauser, aufgrund des Federwechsels, einen stark erhöhten Bedarf an den schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystin. Denn die Feder besteht zu ca. 8 % aus diesen schwefelhaltigen Aminosäuren. Das ist besonders hoch! Wenn also Federn neu gebildet werden, müssen die dafür notwendigen Bausstoffe über die Nahrung zugeführt werden.Wenn man die Gehalte von im Handel angebotenen Körnermischungen analysiert, stellt man schnell fest, dass der jeweilige Gehalt der wichtigen Aminosäuren Methionin und Cystin in der Regel unter 0,2 % liegt, ein äußerst geringer Wert. Für den erhöhten Bedarf während der Mauser ist dies nicht ausreichend. Für viele spezielle Mausermischungen liegt dieser Gehalt auch nicht wirklich höher, obwohl man dies besonders für die Mauser ja erwarten müsste. Die Folge ist, dass die für das Federwachstum notwendigen Bausteine aus einer größeren Menge Futter gewonnen werden müssen. Die Tauben müssen also mehr Futter aufnehmen, was aufgrund der größeren Menge und damit verbundenen erhöhten Energieaufnahme wiederum schnell zu einer Verfettung führt. Dies sollte jedoch vermieden werden. Denn alles was unnötigerweise zugenommen wird, muss spätestens zum Zuchtbeginn – für den besten Zuchterfolg – wieder abgespeckt werden. Bei optimal ernährten Tauben kann man immer ein ausgeglichenes Körpergewicht feststellen, auch im Winter, bzw. während und nach der Mauser. Hier trennt sich meines Erachtens schon die „Spreu vom Weizen“. Da die täglich aufgenommene Futtermenge begrenzt ist – Tauben, die satt gefüttert werden verbrauchen am Tag im Durchschnitt plusminus 35 g Futter – verlängert sich damit die Mauserperiode. Das ist zuerst einmal nicht weiter schlimm. Bis eben auf den Umstand, dass die Tauben auf einen Mangel mit erhöhter Futteraufnahme reagieren, was eine Leistungsminderung bedeutet und hier zur Verfettung führt. Auf der anderen Seite ist eine schnelle Mauser, aufgrund der modernen Haltungsform mit verdunkelten Jungtauben, besonders gewünscht. Damit die Tauben die Mauser trotz der geringen Gehalte im Körnerfutter dennoch optimal bewältigen, kann die Versorgung mit geeigneten Mauserpräparaten ergänzt werden. Hauptsächlich sollte man dabei aber auf den Gehalt der Aminosäure Methionin achten, der z. B. bei dem flüssigen Ergänzungsfutter Taubengold mit 2 % besonders hoch ist. Für den Vergleich mit pulverförmigen Mauserhilfen muss neben dem Gehalt auch die Dosierung in die Betrachtung mit einbezogen werden. Da aufgrund der Futtermittelverordnung der Gehalt an Methionin angegeben sein muss, ist ein Qualitätsvergleich für jeden Züchter gut machbar. Produkte ohne diese Inhaltsangaben sollten besser gemieden werden, da man die Qualität und das Preisleistungsverhältnis gar nicht bewerten kann. Eine Zufütterung von Schwefelblüten (pulverisierter Schwefel), wie es auch heute noch empfohlen wird, bringt leider garnichts, da der darin befindliche Schwefel durch die Taube nicht genutzt werden kann. Es findet im tierischen Körper kein Einbau des Schwefels in körpereigene Aminosäuren bzw. Eiweiße statt. Unabhängig für welche Mauserhilfe (Methioninquelle) man sich entscheidet, sollte diese möglichst regelmäßig gefüttert werden. Denn die wichtigen Aminosäuren können von der Taube nur bedingt gespeichert werden. Die Feder jedoch wächst jeden Tag und benötigt daher auch regelmäßig die für das Wachstum notwendigen Bausteine. Eine Zufütterung kann praktischerweise über die Tränke oder auch über das Körnerfutter erfolgen. Die Fütterung über die Tränke hat den Vorteil, dass bei den meisten Züchtern heutzutage eine tägliche Reinigung der Tränken stattfindet und damit eine ausgesprochen gute Hygiene gegeben ist. Über das Futter muss man dafür sorgen, dass der Futtertrog regelmäßig gründlich gereinigt wird, was ich dann aber in der Praxis weniger oft sehe. Neben der Versorgung mit Methionin sollte für die Mauser wegen der enormen Belastung für die Tauben, auch eine regelmäßige Versorgung mit Vitaminen stattfinden. Dadurch wird der Stoffwechsel unterstützt. Dafür werden den Züchtern heute oftmals spezielle Mauserpakete angeboten. Achten Sie dabei auch auf die angebotenen Vitaminpräparate. Gervit-W ist aufgrund seiner sehr hohen Gehalte an allen Vitaminen in dieser Phase besonders gut geeignet die Mauser zu unterstützen. Auch die Versorgung mit Premium Mineralien darf jetzt nicht vernachlässigt werden. Dafür stehen heute sehr vielfältig zusammengesetzte Mineralmischungen zur Verfügung. Neben den Mineralien und Spurenelementen sind diese zum Teil mit darmfördernden Zusatzstoffen veredelt. Es sollte immer eine möglichst tägliche Fütterung mit kleineren Mengen erfolgen. Nur so kann man die Taube dazu anregen, öfters die notwendigen Mengen aufzunehmen. Am besten wird die Menge dem Bedarf der Tauben angepasst indem nur so viel gereicht wird, wie bis zum nächsten Tag aufgenommen wird. Dadurch werden die Tauben täglich angeregt die lebenswichtigen Mineralien aufzunehmen. Ich brauche es eigentlich nicht extra zu erwähnen, aber neben der Versorgung mit den lebenswichtigen Nährstoffen muss die Gesundheit der Tauben natürlich kontrolliert werden. Für die präventive Gesundheitskontrolle haben sich Säurekombinationen über die Tränke sehr bewährt. Säuren können übrigens auch sehr gut mit Aminosäurenpräparate in eine Tränke verabreicht werden. Durch die wenigen wirksamen Säurepräparate können sich krankmachende Keime nicht weiter über die Tränke vermehren. Tierärzte stellen immer häufiger fest, dass in Beständen, in denen eine tägliche Anwendung stattfand, Trichomonaden und andere bakteriologische Befunde in Kropfabstrichen nicht mehr nachweisbar sind. Eine echte präventive Gesunderhaltung wird dadurch auf äußerst einfache und zudem recht preiswerte Weise möglich. Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass eine schnelle und reibungslose Mauser die Grundlage für eine erfolgreiche Reisesaison darstellt. Denn die Feder ist nun mal das Handwerkszeug unserer Tauben. Also sollten wir doch einige Anstrengungen unternehmen, damit unsere Tauben diese wichtige Lebensphase bestens meistern.

Ihr Alfred Berger
-Geschäftsführer Röhnfried-

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