Im OKTOBER 2018 – von Dr. Peter Boskamp…


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MEIN GESUNDHEITSANSATZ

 

Ich möchte mich im folgenden vor allem auf die Möglichkeiten konzentrieren, mit denen wir die Tauben gesund erhalten können. Das klingt vielleicht selbstverständlich, aber für die Erhaltung der Gesundheit von Mensch und Tier werden Ärzte und Tierärzte nicht ausgebildet. Grundsätzlich haben es Ärzte während ihrer Ausbildung mit kranken Patienten zu tun, die wieder gesund werden müssen. Es geht kaum darum, wie Patienten gesund bleiben.

 

Tierärzten wird während ihrer Ausbildung beigebracht, kranke Tiere zu behandeln. Häufig beschränkt sich die Behandlung bei Infektionskrankheiten auf das Verschreiben von Antibiotika. Es ist, als würden wir den kranken Patienten wieder gesund machen, ihn zur Tür schieben und ihm alles Gute wünschen; den Rest bekäme er sicherlich alleine hin.

 

Im Gesundheitsansatz ist das Wiederherstellen der Gesundheit aber nur der Ausgangspunkt. Der Krankheitsansatz beschränkt sich ausschließlich auf die Fälle, in denen die angeschlagene Gesundheit zu Krankheit geführt hat. In den letzten Jahren hat es sich so entwickelt, dass viele Tierärzte das Verschreiben von Antibiotika sowohl als Anfang als auch als Ende einer Therapie sehen. Viele möchten sich noch nicht einmal in die Thematik des Gesundheitsansatzes vertiefen. Als ob ihnen die Behandlung kranker Tiere genüge. Fakt ist, dass sie nicht in diese Richtung ausgebildet wurden. Das alte Sprichwort “Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht” gilt für viele Tierärzte auch in Bezug auf den Gesundheitsansatz.

 

Für viele Liebhaber geht die Gesundheitsfürsorge nicht viel über das Verabreichen von Taubenfutter und möglicherweise noch einigen Ergänzungsmitteln hinaus; in der Hoffnung, dass es weiterhin gut läuft. Aber sie wissen es auch nicht besser, als dass ab und zu mal etwas schief geht und dass man dann Antibiotika geben muss. So geht das schon seit Generationen und nur selten denkt man über die möglichen Alternativen nach. Obwohl man auch sagen muss, dass in den letzten Jahren immer mehr Liebhaber dazu gekommen sind, durchaus weiter zu schauen, als ihre Nase lang ist; die sich in die Bedürfnisse ihrer Tauben vertiefen und ganzheitlich denken. Ein Teil dieser Liebhaber ist vor allem durch die leistungssteigernden Ergänzungsmittel motiviert. Um diese Möglichkeiten geht es detailliert im dritten Teil dieses Buches.

 

Futter

Gutes Futter ist einer der wichtigsten Aspekte, um gesund zu bleiben und körperliche Höchstleistungen im Topsegment des Sports zu ermöglichen. Die Nahrung ist das Rückgrat des Gesundheitsansatzes; das Fundament für gute und gesunde Tauben. Das ist so selbstverständlich, dass die meisten Liebhaber darüber gar nicht mehr nachdenken müssen. Kritische Stimmen halten es für großen Unsinn, über Ergänzungsmittel nur zu sprechen. Wenn man den Tauben gutes Futter gäbe, wären sämtliche Ergänzungsmittel überflüssig. Im Grunde haben diese Stimmen damit auch recht oder eigentlich muss ich sagen… sie hatten recht. Denn je höher die Qualität des Futters, desto weniger sind Ergänzungsmittel notwendig. Und dennoch führen diese kritischen Stimmen viele Taubenliebhaber in die Unsicherheit. Ist die Qualität des Futters denn noch so gut, wie sie sein muss oder wie sie einmal war? Das klingt vielleicht wie eine übertriebene Kritik an den Futtermittelherstellern, aber das ist keinesfalls meine Absicht. Das Gegenteil ist der Fall.

 

Die meisten Produzenten stecken viel Zeit in die Qualitätsverbesserung ihrer Produkte. Aber auch diese Produzenten bewegen sich in einem sehr angespannten Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Futter muss bezahlbar bleiben. Wenn man ausschließlich auf die Qualität achtet, steigen die Preise stark an. Die Produzenten haben es aber natürlich mit Konsumenten zu tun- in diesem Fall Taubenliebhaber-, die auch auf den Preis achten müssen. Rückmeldungen, dass das Futter einfach zu teuer ist, kann sich kein Produzent leisten. Produzenten wissen genau, dass, wenn sie sich nur auf die Qualität konzentrieren und ihr Futter zu entsprechend hohen Preisen anbieten, sie sich selbst aus dem Markt drängen, weil die Kunden abspringen. Das Ziel ist also, die bestmögliche Qualität zum geringstmöglichen Preis anzubieten. Diese Marktdynamik führt einerseits dazu, dass die Produzenten immer auf die Anforderungen des Markts reagieren müssen, andererseits bewirkt es aber auch, dass die Qualität des Futters nicht gesichert ist. Und zwar nicht deswegen, weil es böse Absicht der Hersteller ist, sondern weil die Käufer ansonsten das Futter bei anderen, günstigeren Herstellern kaufen.

 

Wenn man Körner und Saaten der höchsten Qualität haben möchte, muss man sich auf hohe Preise einstellen. Das heißt: Futter mit ausreichend viel Makronährstoffen- Kohlenhydraten, Fetten, Proteinen- und zudem auch ausreichend Mikronährstoffe- wie Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Von außen sehen die Saaten mehr oder minder gleich aus, während der Gehalt an bioaktiven Stoffen sehr unterschiedlich ist.

 

Liebhaber konzentrieren sich beim Wählen von Taubenfutter vor allem darauf, ob laut Angaben auf der Verpackung genügend Makronährstoffe, also genügend Proteine, Fette und Kohlenhydrate, enthalten sind. Jahrelang hat man sich wie versteinert nur auf diese Stoffe im Futter konzentriert; die Bausteine, die der Körper braucht. Wenn wir die Proteine, Fette und Kohlenhydrate vergleichen mit den Bausteinen Sand, Zement und Steinen, die man für ein Haus braucht, dann ist klar: ohne geht es nicht. Aber im dem Haus würde noch einiges fehlen, um einzuziehen und sich wohlfühlen zu können. Beim Taubenfutter ist es genauso. Und doch gehen wir, wenn wir Grit und Mineralien als Futter verfüttern, davon aus, dass das wohl ausreichen würde. Früher war das auch noch möglich. Wir vergessen dabei aber eine wichtige Sache: im Vergleich zu vor 40 Jahren sind die Nährwerte im Futter heutzutage dramatisch gesunken. Es gibt heutzutage Futter, das aus wirtschaftlichen Gründen (zu) wenig Nährstoffe enthält. Auf kurz oder lang kann es also vorkommen, dass die Tauben einen Mangel an Mikronährstoffen haben, die für Aufbau und Stärkung des Körpers sehr wichtig wären. Sowieso, wenn die Taube viel leisten muss, zum Beispiel während der Wettkampfflüge. Das ganze Abwehrsystem kann blockieren und die Tauben kommen völlig abgeschlagen und ausgebrannt nach Hause und fallen verkrampft auf ihre Stangen. Glücklicherweise tun die meisten Liebhaber schon vorbeugend etwas dagegen. Allerdings ist das auch bitter notwendig geworden, wenn man heutzutage oben mitspielen möchte.

 

Ich höre Liebhaber sagen, dass ihre Tauben gute Leistungen abliefern und dass sie das nur durch gutes Futter schaffen. Das glaube ich zwar nicht vollständig, aber da steht es schon: gutes Futter. Wer von Ihnen macht sich die Mühe, das eingesetzte Futter einmal keimen zu lassen? Wie viel Keimkraft hat das Futter noch? Fängt das gekeimte Futter schnell an zu schimmeln? Futter, das schon in der Verpackung Schimmelsporen enthält, ist weit davon entfernt, ideales Futter für Tauben zu sein. Schimmel auf dem Futter hat übrigens etwas ganz Anderes als Schimmel im Futter. Auf dem Futter können Schimmelsporen vorkommen, ohne dass die Körner selbst verschimmelt sind.

 

Hier haben wir gleich zwei Probleme, die beim Futter zusammenkommen können. Ein Mangel an Mikronährstoffen und sekundären Pflanzenstoffen, aber auch eine starke Verunreinigung mit Schimmeln, weil die Futter nicht frisch ist.

 

Ich möchte mich nicht als Futterexperte darstellen. Es ist und bleibt ein Fach für sich. Genauso wie der Beruf eines Tierarztes ein Fach für sich ist. Aber die Zusammenarbeit beider Fachgebiete würde dem Taubensport sicherlich sehr gut tun.

 

In den gut 30 Jahren, die ich mich jetzt mit der Begleitung des Taubensport beschäftige, sowohl auf medizinischer Ebene als auch auf der Ebene der Gesundheitserhaltung, stellte sich deutlich heraus, dass wirtschaftliches Handeln für Liebhaber eine Rolle spielt. Nicht jeder Liebhaber kann problemlos das Portemonnaie für das hochwertigste Taubenfutter zücken. Es gibt also genug Taubenschläge, in denen die Qualität des Futters den finanziellen Möglichkeiten entspricht, also weniger hochwertig ist.

 

Während der Ruheperioden wird die Futterwahl zu wenigen oder gar keinen Problemen führen. Und wenn man sich für gutes Keimfutter entscheidet, dann auch während der Flugsaison nicht oder nur kaum. Aber Futter steht häufig nicht ganz oben auf der Prioritätenliste und das kann in einigen Fällen durchaus zu Mangelerscheinungen führen. In solchen Zeiten kann das Geben von ergänzenden Mitteln nicht nur sinnvoll, sondern eine absolute Notwendigkeit sein, um weitermachen zu können. Es ist viel besser, nicht beim Futter zu sparen, sondern auf eine hohe Qualität zu achten und notfalls weniger Tauben zu halten, aber dafür keine Kompromisse eingehen zu müssen, wenn es um das beste Futter geht.

 

Wodurch können, häufiger als den Futtermittelherstellern lieb ist, Mangel an Mikronährstoffen entstehen? Die im letzten Jahrzehnt entstandene Notwendigkeit nach größeren Ernten von u.a. Körnern und Saaten hat zu einem vermehrten Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger geführt. Auch der Einsatz genmanipulierter Saaten (GMO) hat in rasantem Tempo zugenommen. Die Betriebe, die finanzielle Interesse an vorwiegend diesen Produkten haben, haben zu diesem Anstieg beigetragen. Verschiedene Faktoren haben also dafür gesorgt, dass die Qualität von landwirtschaftlichem Boden deutlich zurückgegangen ist.

 

Durch den Einsatz von Kunstdünger werden dem Boden einseitig Nährstoff zugeführt, vor allem Kalium, Stickstoff und Phosphor. Diese Stoffe des Kunstdüngers gelangen natürlich auch in den Boden. Die Bodenstruktur aber ist entscheidend, um die in der Erde vorhandenen Minerale in für die Pflanze wichtige organische Verbindungen zu verwandeln. Und beginnt das Dilemma: Wenn der Boden nur einseitig mit Nährstoffen versorgt wird, wird auch die daraus entstehende Pflanze nur einseitig mit Nährstoffen versorgt. Die Menge an Mineralien, die Pflanzen während ihres Wachstums aufnehmen können, wird hierdurch beträchtlich eingeschränkt; und das wiederum kann zu einer minderen Qualität der Körner und Saaten führen. Auch die Anfälligkeit der Pflanzen für Krankheiten nimmt dadurch zu. Fungizide und Pestizide werden in der Folge eingesetzt, um diese Krankheiten zu verhindern. Und auch diese Stoffe gehen auf Körner und Saaten über. Der Einsatz dieser Mittel hemmt die Pflanzen darin, schützende sekundäre Pflanzenstoffe zu produzieren, die für den Eigenschutz gegen Schimmel und andere Verunreinigungen wichtig sind. Gerade diese sekundären Pflanzenstoffe können einen wertvollen Beitrag für die Gesundheit der Tauben liefern. Der Nährwert der Körner und Saaten nimmt folglich ab. Die Stoffe, die wir in der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe meinen, sind u.a. Allicin, Anthozyane, Carotinoide, Flavenoide, Indole, Lignane, Luteine, Lycopin, Polyphenole und Salvesterole. Später werden wir, wenn es um Kräuter und andere Produkte geht, auf einen Teil dieser wertvollen Substanzen detaillierter eingehen; diese sind wichtig, denn sie unterstützen einerseits die Gesundheit der Tauben und helfen andererseits auch dabei, die Form der Tauben zu verbessern.

 

Die Früchte, Saaten und Körner sehen noch immer noch genauso wie früher aus. Und gerade bei den Früchten finden wir Konsumenten das Aussehen häufig wichtiger, als das, was drin steckt. Wir hoffen und vertrauen immer darauf, dass alles gut ist und genügend Nährstoffe enthalten sind; wir kümmern uns aber nicht weiter darum. Weltweit wurden eine Vielzahl Untersuchungen durchgeführt, die den Rückgang an Spurenelementen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen belegen. Bei einigen lag der Rückgang bei 95%. Dieser dramatische Rückgang an wichtigen Nährstoffen kann einfach nicht folgenlos bleiben. Und es bleibt auch nicht folgenlos. Der Taubensport hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Leistungssport entwickelt. Vor 20 Jahren konnte man als Tierarzt in der Taubenbegleitung noch ganz entspannt ab und zu mal vorbeischauen und alles funktionierte. Heute hingegen sind die Probleme viel komplexer.

 

In unserer Taubenklinik hören wir von Liebhabern immer häufiger, dass sie den Eindruck haben, dass ihre Tauben immer schwächer werden, dass immer häufiger gekurt werden muss und dass das doch früher nicht so war. Wir können sagen, dass neue Krankheiten dazu gekommen sind und Tierärzte sind gut darin, Krankheiten mit Antibiotika zu bekämpfen. Ich würde aber sagen, dass ist wie mit Kanonen auf Spatzen schießen, ohne sich näher den Ursachen der Probleme zu widmen.

 

Das ist doch nur verständlich, möchte man vielleicht denken. Die Entwicklungen passieren nicht vom einen auf den anderen Tag, sondern passieren schleichend über einen längeren Zeitraum, sodass wir den Rückgang in der Qualität des Futters kaum mitbekommen. Die Hersteller selbst können daran kaum etwas ändern. Sie sind grundsätzlich von den Körnern und Saaten abhängig, die auf dem Weltmarkt angeboten werden.

 

Alles ist miteinander verbunden. Der Rückgang in der Futtermittelqualität bezüglich der Nährgehalte ist im Laufe der Jahre langsam und schleichend verlaufen. Erst, wenn man Werte von zum Beispiel 1966 mit Werten von 2005 vergleicht, wird der dramatische Rückgang deutlich. Die Folgen für die Gesundheit der Tieren sind also auch nicht von heute auf morgen entstanden. Sie haben sich langsam eingeschlichen. In der Wahrnehmung der betroffenen Liebhaber werden diese Folgen häufig als ungünstiges Zusammenspiel der Umstände erklärt und abgetan.

 

Die Tatsache, dass Spurenelemente und Mineralien immer weniger werden, ist im Grunde noch viel wichtiger, als der Rückgang an Vitaminen. Mineralien und Spurenelemente spielen eine wirklich entscheidende Rolle für das Funktionieren von großen Enzymverkettungen, die dafür sorgen, dass der Organismus der Taube sich gut entwickelt und gut funktioniert. Ein Mangel führt nicht zwingend direkt zu dramatischen gesundheitlichen Beschwerden. Der Körper ist erfinderisch und kann viel kompensieren. Wiederholte und dauerhafte Mängel hingegen wird der Körper nicht unbeschadet überstehen können. Sowieso, wenn Enzymsysteme betroffen sind, die für die Abwehr des Körpers eine wichtige Rolle spielen. Die Abwehrkräfte leiden dann darunter. Bei einem erhöhten Infektionsdruck werden Tauben mit diesen Mängeln den Infektionen als erste zum Opfer fallen. Aber nicht nur diese Enzymsysteme können betroffen sein. Auch Enzymsysteme, die eine gute Muskelarbeit, Verdauung und den Stoffwechsel betreiben werden nur auf einem niedrigen Niveau arbeiten können. Das ein oder andere Mal mündet das in Formverlusten und schlechteren Flugleistungen und Flugergebnissen. Diese Veränderungen sind so subtil, dass sie vom Liebhaber häufig als Krankheit gewertet werden. Die Beschwerden versucht der Liebhaber dann erst einmal mit Medikamenten zu heilen. Wenn sich die Situation danach verbessert- zum Beispiel, weil durch die Schwächung tatsächlich eine Infektion entstehen konnte, die in einem starken Körper keine Chance gehabt hätte- fühlt der Liebhaber sich in seinem Handeln bestätigt.

 

Bei Infektionen der Atemwege von Tauben sehen wir ein ähnliches Phänomen. Liebhaber stellen bei ihren Tauben Probleme mit den Atemwegen fest. Häufig kommen diese Probleme immer wieder und deswegen kuren die Liebhaber regelmäßig. Dabei wird nicht in Erwägung gezogen, dass die Ursache eventuell auch eine andere sein könnte, zum Beispiel die Belüftung im Schlag und gar nicht die Krankheit, die sie bei ihren Tauben festgestellt haben oder haben feststellen lassen.

 

Diese Arten von Krankheitserscheinungen sind für mich Grund genug, das Gespräch in Richtung präventiver Gesundheitsfürsorge zu leiten. Wir sollten uns auf den Gesundheitsansatz konzentrieren und der besteht darin, den allgemeinen Widerstand zu stärken und darin, die Unterstützung durch die richtigen Mengen an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien zu optimieren. Wenn die Tauben schon krank sind, müssen wir erst probieren, sie von der Krankheit zu befreien. Aber: der Zeitpunkt der Genesung muss der Anfangspunkt für vorbeugende Maßnahmen sein, um zu vermeiden, dass die Beschwerden wiederkommen und die Tauben folglich konstant unter ihrem Niveau bleiben.

 

In der Praxis gestaltet sich das aber schwieriger. Wir sind alle schon so lange dabei und haben uns an das immerwährende Kredo gewöhnt, dass Vitaminpräparate als Ergänzung überflüssig sind. Man bekommt mittlerweile schon fast das Gefühl, dass unsichtbare Kräfte am Werk sind, die uns auf den falschen Pfad führen wollen. Manchmal fühlt es sich an, als müsse ich mich rechtfertigen gegenüber Liebhabern, die eine falsche Darstellung der Dinge einfach so für sich als Wahrheit übernommen haben. Sie glauben ausschließlich daran, regelmäßig Antibiotika zu geben und glauben keinesfalls an die Sinnhaftigkeit der vorbeugenden Gesundheitssorge.

 

Vitamine

Ist das denn alles wirklich nötig? Die Frage hörte ich in meinem Hinterkopf immer wieder, wenn ich Vitaminpräparate verschrieb. Regelmäßig erhielt ich Kritik von Liebhabern, wie ich die Frechheit besitzen könne, einen Artikel über Vitamine zu schreiben. Diese Kritiker konnten Taubenzüchter sein, aber auch Kolumnisten. Und die Kritik war immer dieselbe: wenn man sich gut ernährt, isst man ausreichend Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Man bräuchte also keine zusätzlichen Präparate. Und das wisse doch schließlich Jeder.

 

Auch ich wurde unter diesem Grundsatz erzogen. Ich kann mich noch an Vorlesungen aus meinem Studium erinnern, in denen die wir Studenten vor einer Überdosis an Vitaminen gewarnt wurden. Vor allem die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K wären dabei sehr gefährlich, hieß es. Aber auch die Geschichte, dass Nierensteine als Folge überdosierten Vitamin C auftreten könnten. Ich hörte und las diese Dinge zu der Zeit so häufig, dass es einfach die Wahrheit sein musste, dachte auch ich. Jahrelang hielt ich mich exakt an die vorgeschriebenen Dosen für Vitamine und ähnliche Zusätze, weil… naja: welche verheerenden Folgen sollten mich erwarten, sollte ich zu hoch dosieren.

 

Mittlerweile gibt es genügend Studien, die belegen, dass das damals alles totaler Unsinn war. 1996 gab es zum Beispiel eine Studie, die 45.251 Männer im Alter von 40 bis 75 Jahren sechs Jahre lang begleitete. Sie alle nahmen täglich 1.500mg Vitamin C zu sich, also eine Dosis, die 25 Mal höher ist als die empfohlene Tagesmenge von 60mg. Das Ergebnis: kein einziger Teilnehmer bekam während der Studie Nierensteine. Und von diesen Studien über Vitamine gibt es viele. Sie alle machen die damals verbreiteten Unwahrheiten zunichte.

 

Die Ursache, warum man beim Anwenden und Verschreiben von Vitaminen so zurückhaltend ist, ist der sogenannte Codex Alimentarius (lat. für Lebensmittelkodex). Dieser Lebensmittelkodex, diese dogmatische Schrift, gibt die RDH (recommended daily allowance)- also die empfohlene Tagesdosis- für den Vitaminverzehr an. Hier wird die Dosis angegeben, die allgemein als gut und ausreichend angesehen wurde. Diese Liste stammt aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts und wird seitdem nicht oder kaum überarbeitet. Ende der 80er Jahre konnte man beweisen, dass ein Mangel an Folsäure in Verbindung steht mit dem Phänomen des offenen Rückens bei ungeborenen Kindern. Damals war ich davon überzeugt, dass die Liste bezüglich der Folsäure schnell angepasst werden würde. Eine Dosis von 220 Mikrogramm pro Tag wurden als angemessen beschrieben. Heute weiß man, dass eine Mindestmenge von 400 Mikrogramm pro Tag erforderlich ist, um das ungeborene Kind vor derartigen Abweichungen zu schützen. Gut, dieses Phänomen kam das nicht so häufig vor, aber man stelle sich einmal vor, es wäre das eigene Kind. Zu meiner Überraschung passierte gar nichts. Seit Jahren wurde die Liste nicht angepasst. In beiläufigen Gesprächen auf Fluren wurde vor diesem Phänomen gewarnt und dringend empfohlen, Ergänzungsmittel zu nehmen, um das ein oder andere zu vermeiden, aber es dauerte noch Jahre, bevor auch offiziell etwas geändert wurde. Wie viel Kinder wurden in der Zwischenzeit mit einem offenen Rücken geboren?

 

Auf jeden Fall was das ein Weckruf für mich. Etwas Seltsames ging vor sich. Wie konnte es durch Angaben auf einer so hoch offiziellen Liste zu derartig dramatischen Mangelerscheinungen kommen. Und wenn diese Angabe so dramatisch falsch war: stimmten die andere Empfehlungen überhaupt noch? Ich fing an, mich in diese Thematik zu vertiefen. Aber trotz allem, war da immer noch diese (unbewusste) Zurückhaltung. Die Indoktrination während des Studiums wirkte deutlich nach und verankerte sich in meinem Unterbewusstsein. Es stand in den Lehrbüchern und auch von den Kollegen bekam man immer wieder in aller Deutlichkeit zu hören: ‘Vitamine sind Unsinn, wenn man sich gut ernährt’. Das sagte ich auch immer wieder zu mir selbst. Viel schlimmer: ich sagte es immer wieder zu Patienten, wenn man über Vitamine sprach. Allmählich begann ein Prozess des aktiven Bewusstwerdens: ich lernte immer mehr über die so wichtige Wirkung dieser Stoffe. Ich las alles, was ich über Vitamine finden konnte; lange, bevor es das Internet gab und die damit verbundenen Möglichkeiten. Das Internet, das bald ermöglichen sollte, dass sämtliche Informationen über Vitamine für Jeden zugänglich sind. Man sollte meinen, dass sich dadurch etwas veränderte. Vor allem, weil die Vorteile dieser Präparate absolut überwiegen. Es überraschte mich- als wäre es von Etwas oder Jemandem koordiniert worden-, dass in Zeitschriften und Zeitungen Artikel erschienen, die immer wieder predigten, doch bloß nicht zu viele Vitamine zu schlucken. Das bekannte ‘Wer gut isst, muss keine Vitamine nehmen’ wurde dadurch stets wiederholt. In den Artikeln, die ich in diesen Jahren schrieb, wiederholte auch ich mich immer wieder; nur mit inhaltlich dem Gegenteil. Als wenn etwas Schreckliches passieren würde, sollte wir uns nicht an die Liste halten. Wobei doch das Gegenteil bewiesen war.

 

Ich habe einige Bücher über die Wirkung des Vitamin B12 gelesen. Viele US-amerikanischen Ärzte haben das in den 80er Jahren ihren Patienten verschrieben. Wahrscheinlich mit großem Erfolg, denn die pharmazeutische Industrie drängte darauf, eine Kampagne dagegen zu starten. Darin sollte publik gemacht werden, dass man das Verschreiben von B12 als Quacksalberei betrachten müsse, wenn nicht vorab ausgiebige Untersuchungen stattgefunden hätten. Vitamin B12 ist ein wasserlösliches Vitamin, das selbst in einer hohen Dosis keineswegs schaden kann. Auf jeden Fall wurde nachdrücklich beteuert, dass Vitamin B12 nur und ausschließlich bei Magenpatienten wichtig sei, bei denen sich durch einen Mangel das Risiko auf eine perniziöse Anämie (*siehe Glossar) erhöhen würde. Das ist eine schwerwiegende Form der Blutarmut, die als das Endstadium eines langfristigen B12-Mangels betrachtet wird. Folge der Kampagne war natürlich, dass kein Arzt sich traute, das Vitamin zu verschreiben, weil sie alle nicht als Quacksalber gelten wollten. Tatsächlich ist es so, dass das Vitamin B12 für eine Vielzahl körperlicher Prozesse sehr wichtig ist. Es gibt offizielle B12-Werte, die im Blut nicht unterschritten werden sollte. Forschungen haben inzwischen beweisen können, dass bestimmte Prozesse auch bei höheren Werten (über der offiziellen Untergrenze) im Körper nicht optimal verlaufen können. Der Wert dieser offiziellen Untergrenze wird von B12-Experten inzwischen sehr stark in Frage gestellt.

 

Die RDA, also die empfohlene Tagesdosis, für Vitamin B12 ist so niedrig, dass es lächerlich ist. So niedrig, dass Jemand mit einem diagnostizierten B12-Mangel mit dieser empfohlenen Dosis nie und nimmer von dem Mangel wegkommen wird. Wenn ich an meine Studienzeit zurückdenke, muss ich zusammenfassend sagen, dass die Wirkung der verschiedenen Vitamine kaum behandelt wurde. Bei B12 wurde gesagt, dass es nur bei einer perniziösen Anämie (*siehe Glossar) wichtig sei. Über Vitamin B1 sagte man, dass ein Mangel zu Beriberi (*) führen könne. Durch zu wenig Vitamin B3 kann Pellagra (*) auftreten. Skorbut (*) ist eine Folge von zu wenig Vitamin C und Rachitis (*) tritt bei Vitamin D- Mangel auf. Nachtblindheit (*) entsteht durch einen Vitamin A- Mangel. So hat man grundsätzlich auf Vitaminmangel geschaut, wobei es als selbstverständlich angenommen wurde, dass solche Mängel in unserer aufgeklärten Zeit nicht mehr vorkommen würden.

 

Ich hörte neulich von einer Gruppe Medizinstudenten, Jahrgang  2012, die, um ihren Kalorienbedarf zu decken, in ihrer Studentenzeit relativ viel Bier konsumierten. Der Mangel an guten Nährstoffen wurde dadurch schlussendlich so groß, dass sie tatsächlich Symptome von Skorbut bekamen. Ich meine nur… das war 2012. Durch das Einnehmen von hohen Vitamin C- Dosen verschwanden die Probleme wieder. Was ich damit sagen will: Mangelerscheinungen wegen Vitaminmangel führen nicht urplötzlich zu Skorbut oder Beriberi. Die Symptome sind das Endstadium eines Syndroms, die der Körper anzeigt, wenn er kurz vor einem Zusammenbruch steht. Dafür nutzt der Körper seine Reserven, sofern die vorhanden sind. Der Körper hat nicht viele Reserven an wasserlöslichen Vitaminen. Wenn ein (relativer) Mangel entsteht, können Enzymsysteme teils nur noch suboptimal funktionieren. Der Körper probiert so lange wie möglich, sich gegen den Mangel zu wehren und versucht, erfinderisch mit seinen Ressourcen umzugehen. Aber schlussendlich kann auch der flexibelste Organismus die fatalen Folgen des Mangels nicht vermeiden.

 

Die Liste des Lebensmittelkodex, die damals erstellt wurde, geht von den Mindestdosierungen an Vitaminen aus, damit die sogenannten Mangelkrankheiten nicht mehr auftreten können. So entstand für Vitamin C die Norm von 75mg pro Tag. Bei dieser Dosis gibt es also kein Skorbut-Risiko. Im Beispiel der Studenten hat es also nicht einmal geklappt, diese 75mg zu sich zu nehmen. Gleichzeitig müssen wir uns vor Augen halten, dass Säugetiere, die selbst Vitamin C herstellen können, 3 bis 15 Gramm am Tag produzieren. Würde die Natur das zulassen, wenn es für die Tiere so schädlich wäre? Der Mensch kann, genau wie das Meerschweinchen, die Rauchschwalbe und die Fledermaus, selbst kein Vitamin C herstellen. Das Vitamin C muss hier mit der Nahrung aufgenommen werden. Wenn die Tiere, die selbst Vitamin C herstellen können, krank werden, wird vom Körper eine noch stärkere Vitamin C- Produktion angeregt, um gegen die Krankheit anzukämpfen. Würde die Natur das zulassen, wenn es für die Tiere so schädlich wäre? Der durchschnittliche westliche Mensch nimmt ca. 80 bis 100mg dieses Vitamins auf. Diese Mindestmenge kann bei Stress oder Krankheit viel zu niedrig sein. Vitamin C ist ein wichtiges Antioxidationsmittel. Bei Infektionskrankheiten werden diese Antioxidantien dringend benötigt, um diese Fremdkörper zu bekämpfen.

 

Als damals die Liste mit der empfohlenen täglichen Vitamin-Einnahme erstellt wurde, wurde das- das möchte ich zumindest hoffen, auch wenn ich es mittlerweile fast bezweifle- nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Jedoch hat diese Liste immer mehr ein Eigenleben entwickelt. Die angegebenen Mindestdosierungen, die vermeiden sollten, dass Mängel entstehen können, die zu dramatischen Mangelerscheinungen führen können, wurden zum Leitfaden für die Einnahme von Vitaminen. Aus zweifelhaften Gründen wurde immer wieder darauf gedrängt, dass die empfohlene Tagesdosis sich genau im Bereich dieser Angaben befindet. Das ist Wahnsinn. Unglaublicher Wahnsinn. Diese Angaben haben absolut nichts mit der optimalen Dosierung von Vitaminen zu tun.

 

Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen der absoluten Mindesteinnahmemenge und der optimalen Einnahmemenge. Gerade um die optimale Einnahmemenge geht es. Über die Jahre habe ich mich immer öfter gefragt, worauf dieser Wahnsinn basiert. Durch meine Erfahrungen in der Behandlung von Tieren wurde deutlich, dass die Vergabe von zusätzlichen Vitaminen und Spurenelementen den Heilungsprozess beschleunigte. Es wurde immer deutlicher, dass zwischen der empfohlenen Tagesdosis und der optimalen Dosierung von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien eine große Lücke klafft. Und mir wurde zudem klar, dass auch meine Studienfreunde auf dieselbe Weise indoktriniert wurden, wie ich damals; nämlich mit dem Irrglauben, dass zusätzliche Vitamine überflüssig seien.

 

Im Laufe der Jahre entwickelten sich immer mehr Parallelen zur Farce der mittelalterlichen Inquisition. Als aufgeklärte Geister damals sagten, dass die Erde rund und nicht flach war, wurden sie zu Ketzern gemacht. Sie wurden intensiv bekämpft und viele von ihnen landeten auf dem Scheiterhaufen. So lange wie möglich kämpfte die Inquisition auf diese Weise gegen die Fakten, um die eigene Position nicht untergraben zu lassen; um die eigene Macht zu erhalten.

 

Heute lachen wir darüber, aber seinerzeit wurde die Wahrheit noch systematisch unterdrückt…

 

Zurück zu den Tauben

Der Einsatz von Vitaminen in Dosen, die weit weg von der im Kodex empfohlenen Tagesdosis liegen, führte bei Tauben zu sehr guten Ergebnissen. Die Praxis zeigt uns: Vitamine konnten die Leistungen gesunder Tauben bedeutend verbessern.

 

Eine optimale Dosierung ist bei Tauben wichtig, um im Taubensport auch optimale Leistungen erbringen zu können. Als die Liste des Lebensmittelkodex erstellt wurde, enthielten die meisten Nahrungsmittel noch ausreichend Spurenelemente, Mineralien und Vitamine. Forschungen, die zwischen 1996 und 2005 durchgeführt wurden, beweisen, dass die Mineralien in den verschiedensten Nahrungsmitteln um 95% zurückgegangen sind. Ebenso ist die Vitaminmenge in vielen Nahrungsmitteln gesunken.

Eine andere Studie aus Deutschland brachte ans Licht, dass sich die Mengen an Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen zwischen 1985 und 2002 in oft konsumierten Nahrungspflanzen- von Kartoffeln bis zu Karotten- mehr als halbiert hatten.

 

Diese Untersuchungen ändern alles. Aber die Normen für die Mindestaufnahmemenge an Vitaminen wurden im Laufe der Zeit nicht angepasst. Noch immer gilt das Kredo, dass man bei einer gesunden Ernährung auf die Einnahme von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien verzichten könne, weil sie mit der gesunden Nahrung ausreichend aufgenommen würden. Darin steckt das Problem: Viele der Nahrungsmittel sind bezüglich dieser Nährstoffe nicht mehr von derselben Qualität wie damals, als die Liste mit den empfohlenen Tagesdosen erstellt wurde.

 

Viele Krankheiten sind eine Folge von Nährstoffmangel. Und in der gleichen Zeit hat der Einsatz von Kunstdünger dramatisch zugenommen. Dies hat das Produktionsniveau der Lebensmittel mengenmäßig erhöht, aber hinsichtlich der Qualität wurde es drastisch reduziert. Die Ernten wurden größer. Aber die Folge war auch, dass die Pflanzen nicht gesund gehalten werden konnten. Krankheiten traten immer häufiger auf, welche dann mit Pestiziden bekämpft wurden. Diese Pestizide töteten aber auch die Pilze und Bodenbakterien und gerade die sind eigentlich erforderlich, damit Pflanzen die Mineralien im Boden aufnehmen können.

 

Dies ist eine der Ursachen, durch die der Nährstoffgehalt in den Pflanzen abnimmt. Die Aufnahme dieser Nährstoffe nahm ab, in der Pflanze sind weniger Nährstoffe enthalten und entsprechend nehmen auch die Konsumenten dieser Pflanzen (Menschen und Tiere) weniger Mineralien und Spurenelemente auf. Das Problem bei Mangelerkrankungen ist, dass sie sich meist sehr langsam entwickeln. Gleichzeitig sinken die Widerstandskräfte bei Tieren mit Mangelerscheinungen, wodurch das Risiko von Infektionskrankheiten erhöht wird. Auf diese Weise kann auch die Anfälligkeit für Infektionen bei Tauben zunehmen. Wenn eine Krankheit auftritt und wir dann nur die Infektionen bekämpfen müssen, tun wir das mit sämtlichen Mitteln, die zur Verfügung stehen, um die Tiere wieder gesund zu machen. Es wird aber nichts gegen die zugrunde liegende Ursache unternommen, nämlich den Mangel an wichtigen Baustoffen. Auf diese Weise beschäftigen wir uns nur mit der Behandlung und Bekämpfung von Krankheiten. Tierärzte sind ausgebildet, um Krankheiten zu diagnostizieren, zum Beispiel eine Lungenentzündung oder eine Darmstörung. Ihnen wurde jedoch nicht beigebracht, die möglichen Ursachen zu untersuchen – nämlich eine zunehmende Anfälligkeit für Krankheiten aufgrund eines Mangels an wichtigen Mikronährstoffen und Vitaminen.

 

Das Beheben von Mangelerscheinungen und Mangelkrankheiten nimmt grundsätzlich Zeit in Anspruch. Wenn die Behandlung von Infektionskrankheiten abgeschlossen ist, sollte man die Gesundheit der Tauben stärken und optimieren, um die Wiederholung der oft unnötigen Krankheiten zu verhindern. Sie müssen dann wirklich an der Gesundheitsfürsorge arbeiten und sich auf den Gesundheitsansatz konzentrieren. Nicht nur, um die Tauben wieder gesund zu machen, sondern vor allem, um den Grundstein für eine langfristige, optimale Gesundheit zu legen. Nur eine optimale Gesundheit kann zu einem optimalen Leistungsniveau während der Flüge führen.

 

Diese Erläuterung macht deutlich, dass auch im Taubensport ein gewisses Risiko besteht, dass die Tiere hinsichtlich ihrer Versorgung mit Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien nicht optimal ausgestattet sind. Die Erkenntnisse häufen sich, dass nicht der Vitaminmangel die für Mensch und Tier größte Bedrohung darstellt, sondern eher der Mangel an Mineralien und Spurenelementen. Als Liebhaber weiß man genau, welche Kosten das eigene Hobby mit sich bringt. Manchmal muss man einfach jeden Euro umdrehen, aber essen müssen die Tauben nun einmal immer; das ist also Priorität. Eines der ersten Dinge, nach denen im Taubensport geguckt wird, ist der Preis des Futters. Häufig gehen Liebhaber an den Futtermittelsäcken der bekannten und renommierten Marken vorbei und entscheiden sich für die günstigen Marken. Das kann natürlich gutes Futter sein. Aber man muss sich vor Augen halten: ein Billigproduzent muss auch billig einkaufen. Es gibt nur wenige Liebhaber, die sich die Mühe machen, die Keimfähigkeit des Futters zu überprüfen.

 

Das ist aber einer der Maßstäbe, nach denen die Qualität des Futters beurteilt werden kann. Gesunde Körner und Saaten werden immer eine bessere Keimkraft haben. Das System ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Futter von geringerer Qualität wird sich mittel- bis langfristig am Gesundheitszustand der Tauben rächen. Wenn man also die Kosten des Futters reduzieren muss, ist es besser, weniger Tauben zu halten und sich um diese Tauben dann optimal und bestmöglich zu kümmern.

 

Wir können unseren Tauben noch so gutes Futter geben: wenn ein Mangel an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien auftritt, gerät die Maschinerie des Körpers ins Wanken und kann dem Leistungsdruck nicht standhalten. Genau wie die Widerstandskräfte, wird auch das Leistungsniveau abfallen. Da dies oft schrittweise und nicht urplötzlich geschieht, wird der Zusammenhang mit einem Mangel an Mikronährstoffen häufig übersehen. Die Symptome von Krankheiten werden hingegen sofort bemerkt und auch behandelt, meist mit Antibiotika. Die (Infektions-)Krankheiten verschwinden dadurch, aber die zugrundeliegenden Ursachen bestehen weiterhin, wodurch sich die Probleme wiederholen können. Nach einer Behandlung mit Antibiotika ist darum die Nachsorge besonders wichtig. Probiotika, Präbiotika und Vitaminpräparate können die tatsächliche Genesung fördern.

 

Hier sprechen wir von Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien. Zusammen bilden sie die Mikronährstoffe. Diese Mikronährstoffe sollten in einem optimalen Verhältnis gegeben werden, damit der Körper optimal unterstützt wird. Mit optimal ist gemeint: in der gegebenen Menge an Mikronährstoffen muss das Verhältnis der Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente stimmen. Von einigen Vitaminen ist bekannt, dass sie einen Mangel an anderen Vitaminen verursachen können, wenn sie in zu hohen Dosen verabreicht werden. Beispielsweise kann eine zu hohe Vitamin-B1-Dosis einen relativen Vitamin-C-Mangel verursachen; vor allem bei Präparaten, die auf dem (überholten) Codex Alimentarius basieren. Bei Präparaten, die nach neuesten Erkenntnissen insbesondere für Tauben zusammengestellt wurden, wird dies nicht so schnell der Fall sein.

 

Ich betone immer wieder, dass die Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Ich beziehe mich damit nicht auf einen Mangel an Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten. Bei den meisten Futtermitteln für Tauben kommt es bezüglich dieser Makronährstoffe nicht wirklich zu Engpässen. Der Knackpunkt liegt eher im Gehalt an Mikronährstoffen. Dass es tatsächlich zu Unterversorgungen kommen kann, geht aus Untersuchungen von Márai, Tangl und Radler aus Ungarn über den Gehalt an einer Reihe von Mikronährstoffen in Mais hervor. Es wurde zum Beispiel festgestellt, dass der Karotingehalt in Mais zwischen 1966 und 2005 um 50% sank. Der Vitamin B6-Gehalt ist zwischen 1952 und 2005 um 97% gesunken; der Gehalt an Folsäure zwischen 1968 und 2005 um 70%. Bei Kalzium wurde zwischen 1962 und 2005 eine Abnahme von 82% beobachtet, bei Eisen eine Abnahme von 81%.

 

Es ist also deutlich zu erkennen, dass die Werte dramatisch zurückgegangen sind. Es können dementsprechend durchaus Unterversorgungen auftreten. Unter normalen Umständen wird dies nicht so schnell problematisch sein. Aber in Zeiten von Stress, Krankheit oder größeren Anstrengungen während der Wettkämpfe können Tauben durchaus in ein Loch fallen. Das sehen wir manchmal, wenn die Tauben komplett abgebrannt in den Schlag zurückkehren und mehr oder weniger auf ihre Stangen fallen. Ich vergleiche das manchmal mit Rennradfahrern, die bei der Tour de France oder dem Giro auf einer Bergetappe fast zum Stehen kommen. Es kann an anderen Dingen liegen, meist liegt dem aber ein Mangel an Mikronährstoffen zugrunde. Im Laufe der Jahre haben wir angefangen, den Tauben vor den Flügen Mineralienlösungen zu geben; bei unseren Tauben ist das Problem dadurch sofort verschwunden.

Viele Taubenliebhaber empfinden es noch als sehr vage und unsicher, wenn wir über Mangelerkrankungen sprechen. Sie sind es gewohnt, mit kranken Tauben zum Tierarzt zu gehen und dann ein Antibiotikum verschrieben zu bekommen, auf das die Tauben dann eventuell reagieren. Der Einsatz von Mitteln, die die allgemeine Gesundheit stärken, ist für sie schwer fassbar. Ihrer Ansicht nach dauert es zu lange, bis Ergebnisse sichtbar werden. Aber in den letzten Jahren haben viele Liebhaber bemerkt, dass der Gesundheitsansatz tatsächlich funktioniert und das hat ihre Augen geöffnet. Das Federkleid wurde stärker, die Widerstandskräfte verbesserten sich und die Notwendigkeit, Antibiotika und Chemotherapeutika zu geben, nahm drastisch ab. Natürlich dauert es einige Zeit, bis man die Früchte seiner Arbeit ernten kann. Deshalb raten wir den Züchtern auch, bereits während der Mauser mit dem Gesundheitsansatz zu beginnen. Die Preise des nächsten Jahres holt man sich schon im Herbst.

 

Vitamine sind Stoffe, die der Körper selbst nicht produzieren kann und die daher über die Nahrung aufgenommen werden müssen. Vitamine sind notwendig, damit der Körper funktionieren kann. Nobelpreisträger Dr. Szent-Györgyi definierte sie folgendermaßen: „Ein Vitamin ist eine Substanz, die krank macht, wenn man sie nicht isst„.

 

Vitamine spielen bei vielen wichtigen Prozessen im Körper eine Rolle. Sie übernehmen eine essentielle Rolle bei Stoffwechselprozessen, die das Immunsystem stärken und helfen, die Folgen von Stress zu regulieren. Sie wirken zudem entgiftend, verbessern das Gedächtnis und optimieren Lernprozesse. Darüber hinaus fördern sie die Heilung geschädigter Zellstrukturen und stärken und erhalten das einwandfreie Funktionieren der Zellwände. Sie helfen bei der Produktion von Proteinen und Wachstumshormonen. Vitamine übernehmen eine herzstärkende Funktion und regulieren den Stoffwechsel von Cholesterin. Sie verhindern durch ihre antioxidative Wirkung eine vorzeitige Alterung und sind daher bei der Energiegewinnung für den Körper unverzichtbar. Kurz gesagt gibt es wenige Prozesse im Körper, bei denen Vitamine nicht beteiligt sind. Dass der Körper genug davon bekommen muss, spricht für sich. Damit die Vitamine richtig und angemessen wirken können, ist es wichtig, dass der Körper auch auf genügend Spurenelemente und Mineralien zugreifen kann. Damit der Körper damit etwas anfangen kann, müssen diese Mineralien organisch sein.

 

Bei den Vitaminen unterscheiden wir zwischen wasserlöslichen und fettlöslichen Vitaminen. Die wasserlöslichen Vitamine können vom Körper nicht gespeichert werden. Diese müssen daher regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden. Fettlösliche Vitamine hingegen kann der Körper speichern. Im Falle von extremen Überdosierungen dieser Vitamine können Vergiftungen im Körper auftreten. Während meines Studiums wurde das auch immer wieder betont, so dass meine Generation an Ärzten und Tierärzten- und wahrscheinlich auch die Generationen nach uns- so penibel darauf achteten, die Dosierungen bloß exakt einzuhalten. Zum Beispiel sollten von Vitamin D3 Leberprobleme verursacht werden können. Es stellte sich heraus, dass diese Geschichte von einer starken Überdosis kommt: bei einem Patienten traten Probleme auf, weil sein Apotheker das Vitamin D3 falsch bereitgestellt hatte. Statt einer Menge von 1.000 I.E Vitamin D3 nahm der Patient monatelang 100.000 I.E Vitamin D3 zu sich. Ein krasser Unterschied: die hundertfache Dosierung und das über mehrere Monate. Die Geschichte ist außergewöhnlich und kann kaum als normale Bewertungsgrundlage herangezogen werden. Ich kann Ihnen nicht einmal garantieren, dass Jemand die hundertfache Menge von Paracetamol so lange ertragen kann. Warum macht man also so ein Drama daraus, dass eventuell zu viele Vitamine genommen werden? Auch bei Vitamin C ist das so. Der durchschnittliche Westeuropäer nimmt 80 bis 100mg davon zu sich. Das ist viel zu wenig, um optimal gesund zu bleiben. Ein Vielfaches dieser Menge ist erforderlich, um ein starkes Gesundheitsniveau zu erreichen. Was bewegt also die Wissenschaft, die Verwendung höherer Dosen von Vitamin C zu verhindern? Hartnäckig hält sich die Geschichte von dem Risiko auf Nierensteine. Andere Nebenwirkungen können nicht gefunden werden. Diese Geschichte scheint ohne weiter nachzufragen einfach und folgsam übernommen worden zu sein, während, wie ich bereits erwähnt habe, mehrere Studien zeigen, dass dies ein Märchen ist. Aber zu Jedem ist durchgedrungen, dass zu viel Vitamin C schädlich wäre. Es ist wirklich höchste Zeit, sich die verschiedenen Vitamine genauer anzusehen.

Wie bereits erwähnt gibt es wasserlösliche und fettlösliche Vitamine. Viele der wasserlöslichen Vitamine gehören zur B-Gruppe. Die fettlöslichen Vitamine sind die A, D, E, K3-Gruppen. Diese Vitamine sind oft in fetthaltigen Lebensmitteln.

 

Bevor wir detailliert auf die Vitamine eingehen, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Vitamine von Pharmaunternehmen hergestellt werden. Jetzt scheint es jedoch so zu sein, dass die natürlichen Vitamine eine viel bessere organische Struktur haben als die chemischen hergestellten Varianten. Darum bin ich ein großer Befürworter der natürlichen Vitamine und halte es für weitaus sinnvoller, natürliche Vitamine zu sich zu nehmen. Aber im Land der Blinden, ist der Einäugige der König: wenn also ein akuter Vitaminmangel vorliegt, ist es besser, die chemische Variante in konzentrierter Form zu geben, um dem Körper schnell aus der Krise zu verhelfen. Im Laufe der Jahre wurde eine Reihe von Vitaminen aus der großen Liste der Vitamine entfernt, weil man festgestellte, dass Menschen und Tiere diese selbst produzieren konnten oder diese Vitamine bei guter Darmfunktion von der Darmflora selbst gebildet werden können. Das ändert nichts an der Tatsache, dass diese Vitamine bei verschiedenen Stoffwechselvorgängen eine wichtige Rolle spielen und dass ein Mangel an diesen Vitaminen verhindert werden muss.

Vitamine sind also Stoffe, die der Körper nicht selbst produzieren kann, sondern die von außen durch die Nahrung aufgenommen werden müssen. Für Menschen und eine Reihe anderer Säugetiere, wie zum Beispiel der Stallschwalbe, ist das Vitamin C ein Vitamin. Die meisten Säugetiere aber können dieses Vitamin selbst herstellen, für sie ist es darum im Grunde kein Vitamin.

 

Es scheint also, als wurde den Menschen die ganze Angst vor zu vielen Vitaminen zu unrecht eingeflößt. Aber eine kleine Warnung möchte ich dennoch aussprechen. Vitamine sind wichtige Substanzen, so viel wird Jedem nach dem Lesen der vorherigen Zeilen klar sein. Das heißt aber nicht, dass wir jetzt nur ein bestimmtes Vitamin einseitig verabreichen müssen. Vitamine arbeiten nämlich eng zusammen. Wenn man mehr Vitamine geben möchte, sollte dies unbedingt als Kombination mehrerer Vitamine geschehen. Zu viel einer bestimmten Art kann bei einer anderen zu einem Mangel führen. Ron Hubbard schrieb zu dem Gleichgewicht von Vitaminen und Mineralien in seinem Buch: “Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper”.

 

Ein Vitamin oder Mineral muss von anderen Elementen begleitet werden, um in Kombination zu funktionieren. Wenn man dieses Gleichgewicht nicht im Auge behält, kann ein Mangel bei einem anderen Vitamin oder Mineral auftreten. Zum Beispiel sollte Vitamin B6 immer zusammen mit Vitamin B2 verabreicht werden, da sonst Vitamin B6 nicht wirkt. Durch die einseitige Erhöhung der Vitamin- und/ oder Mineraliendosen kann es an einer bestimmten Stelle zu einem relativen Mangel an anderen Vitaminen und Mineralien kommen, die der Körper dann aus anderen Körperregionen bezieht; als Reserve, sogar von Muskeln, Knochen und Gewebe. Diesen Zustand gilt es zu vermeiden. Die Erhöhung der Vitamine und Mineralien sollte daher allgemein über alle Wirkstoffe erfolgen, damit keine Mängel auftreten können. Wenn man sich besonnen an die Arbeit macht, sind höhere Dosen von Vitaminen und Mineralien – im Gegensatz zu dem, was viele von uns glauben möchten – nicht schädlich, vorausgesetzt, dass diese Erhöhung ganzheitlich und nicht einseitig durchgeführt wird. Hohe Dosen an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien sind unerlässlich, um den Körper beim Aufbau, bei der Genesung nach einer Krankheit oder beim Erreichen von Spitzenleistungen zu unterstützen. Kurz gesagt: auch zu der Verbesserung der Flugergebnisse kann die Vergabe von zusätzlichen Vitaminen einen wertvollen Beitrag leisten.

 

Die Gegner von Vitaminen versuchen weiterhin zu „beweisen“, dass hohe Dosen schädlich sind. Dafür werden Beispiele von verwendeten Vitaminen herangezogen, die zu einem Mangel an anderen Vitaminen führten und eine Mangelerkrankung entstehen ließen. Vitamine, die mit Bedacht eingesetzt werden, sind nicht schädlich. Im Gegenteil.
Übrigens gibt es eine Ausnahme von den obigen Anmerkungen. Zum Beispiel erklärte Nobelpreisträger Linus Pauling, dass Vitamin C in großen Mengen verzehrt werden kann, ohne dass es zu einem Mangel an anderen Substanzen kommt. Er beobachtete dabei u.a. Tiere, die im Krankheitsfall große Mengen dieses Vitamins produzierten, um die Probleme der Krankheit bewältigen zu können. Im Umkehrschluss sollte laut Linus Pauling eine gesunde Personen von etwa 70 kg zwischen 2 und 20 Gramm pro Tag einnehmen, um auch gesund zu bleiben. Seiner Meinung nach könnte ein kranker Top-Athlet noch mehr Vitamin C einnehmen. Wenn die Sättigungsgrenze des Körpers erreicht wird, kann sich leichter Durchfall einstellen. Das ist ein Zeichen dafür, weniger zu nehmen. Diese Beobachtungen von Linus Pauling sind sehr weit von den Werten des Codex Alimentarius entfernt. Diese Lichte erachtet einen Wert von etwa 75mg pro Tag als ausreichend. Nun, die Pharmaindustrie muss auch Geld verdienen, könnte man sagen. Relative Vitaminmangelzustände, darunter Vitamin C, führen jedoch dazu, dass immer mehr chronische Krankheiten aufkommen, die wiederum symptomatisch behandelt werden. Es lebe der Krankheitsansatz, man kann nur mit dem Kopf schütteln.

 

Viel Erfolg

boskamp bei untersuchung1

Peter Boskamp

 

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