Im MAI 2018 – von Dr. Peter Boskamp…


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Futter

Gutes Futter ist einer der wichtigsten Aspekte, um gesund zu bleiben und körperliche Höchstleistungen im Topsegment des Sports zu ermöglichen. Die Nahrung ist das Rückgrat des Gesundheitsansatzes; das Fundament für gute und gesunde Tauben. Das ist so selbstverständlich, dass die meisten Liebhaber darüber gar nicht mehr nachdenken müssen. Kritische Stimmen halten es für großen Unsinn, über Ergänzungsmittel nur zu sprechen. Wenn man den Tauben gutes Futter gäbe, wären sämtliche Ergänzungsmittel überflüssig. Im Grunde haben diese Stimmen damit auch recht oder eigentlich muss ich sagen… sie hatten recht. Denn je höher die Qualität des Futters, desto weniger sind Ergänzungsmittel notwendig. Und dennoch führen diese kritischen Stimmen viele Taubenliebhaber in die Unsicherheit. Ist die Qualität des Futters denn noch so gut, wie sie sein muss oder wie sie einmal war? Das klingt vielleicht wie eine übertriebene Kritik an den Futtermittelherstellern, aber das ist keinesfalls meine Absicht. Das Gegenteil ist der Fall.

Die meisten Produzenten stecken viel Zeit in die Qualitätsverbesserung ihrer Produkte. Aber auch diese Produzenten bewegen sich in einem sehr angespannten Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Futter muss bezahlbar bleiben. Wenn man ausschließlich auf die Qualität achtet, steigen die Preise stark an. Die Produzenten haben es aber natürlich mit Konsumenten zu tun- in diesem Fall Taubenliebhaber-, die auch auf den Preis achten müssen. Rückmeldungen, dass das Futter einfach zu teuer ist, kann sich kein Produzent leisten. Produzenten wissen genau, dass, wenn sie sich nur auf die Qualität konzentrieren und ihr Futter zu entsprechend hohen Preisen anbieten, sie sich selbst aus dem Markt drängen, weil die Kunden abspringen. Das Ziel ist also, die bestmögliche Qualität zum geringstmöglichen Preis anzubieten. Diese Marktdynamik führt einerseits dazu, dass die Produzenten immer auf die Anforderungen des Markts reagieren müssen, andererseits bewirkt es aber auch, dass die Qualität des Futters nicht gesichert ist. Und zwar nicht deswegen, weil es böse Absicht der Hersteller ist, sondern weil die Käufer ansonsten das Futter bei anderen, günstigeren Herstellern kaufen.

Wenn man Körner und Saaten der höchsten Qualität haben möchte, muss man sich auf hohe Preise einstellen. Das heißt: Futter mit ausreichend viel Makronährstoffen- Kohlenhydraten, Fetten, Proteinen- und zudem auch ausreichend Mikronährstoffe- wie Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Von außen sehen die Saaten mehr oder minder gleich aus, während der Gehalt an bioaktiven Stoffen sehr unterschiedlich ist.

Liebhaber konzentrieren sich beim Wählen von Taubenfutter vor allem darauf, ob laut Angaben auf der Verpackung genügend Makronährstoffe, also genügend Proteine, Fette und Kohlenhydrate, enthalten sind. Jahrelang hat man sich wie versteinert nur auf diese Stoffe im Futter konzentriert; die Bausteine, die der Körper braucht. Wenn wir die Proteine, Fette und Kohlenhydrate vergleichen mit den Bausteinen Sand, Zement und Steinen, die man für ein Haus braucht, dann ist klar: ohne geht es nicht. Aber im dem Haus würde noch einiges fehlen, um einzuziehen und sich wohlfühlen zu können. Beim Taubenfutter ist es genauso. Und doch gehen wir, wenn wir Grit und Mineralien als Futter verfüttern, davon aus, dass das wohl ausreichen würde. Früher war das auch noch möglich. Wir vergessen dabei aber eine wichtige Sache: im Vergleich zu vor 40 Jahren sind die Nährwerte im Futter heutzutage dramatisch gesunken. Es gibt heutzutage Futter, das aus wirtschaftlichen Gründen (zu) wenig Nährstoffe enthält. Auf kurz oder lang kann es also vorkommen, dass die Tauben einen Mangel an Mikronährstoffen haben, die für Aufbau und Stärkung des Körpers sehr wichtig wären. Sowieso, wenn die Taube viel leisten muss, zum Beispiel während der Wettkampfflüge. Das ganze Abwehrsystem kann blockieren und die Tauben kommen völlig abgeschlagen und ausgebrannt nach Hause und fallen verkrampft auf ihre Stangen. Glücklicherweise tun die meisten Liebhaber schon vorbeugend etwas dagegen. Allerdings ist das auch bitter notwendig geworden, wenn man heutzutage oben mitspielen möchte.

Ich höre Liebhaber sagen, dass ihre Tauben gute Leistungen abliefern und dass sie das nur durch gutes Futter schaffen. Das glaube ich zwar nicht vollständig, aber da steht es schon: gutes Futter. Wer von Ihnen macht sich die Mühe, das eingesetzte Futter einmal keimen zu lassen? Wie viel Keimkraft hat das Futter noch? Fängt das gekeimte Futter schnell an zu schimmeln? Futter, das schon in der Verpackung Schimmelsporen enthält, ist weit davon entfernt, ideales Futter für Tauben zu sein. Schimmel auf dem Futter hat übrigens etwas ganz Anderes als Schimmel im Futter. Auf dem Futter können Schimmelsporen vorkommen, ohne dass die Körner selbst verschimmelt sind.

Hier haben wir gleich zwei Probleme, die beim Futter zusammenkommen können. Ein Mangel an Mikronährstoffen und sekundären Pflanzenstoffen, aber auch eine starke Verunreinigung mit Schimmeln, weil die Futter nicht frisch ist.

Ich möchte mich nicht als Futterexperte darstellen. Es ist und bleibt ein Fach für sich. Genauso wie der Beruf eines Tierarztes ein Fach für sich ist. Aber die Zusammenarbeit beider Fachgebiete würde dem Taubensport sicherlich sehr gut tun.

In den gut 30 Jahren, die ich mich jetzt mit der Begleitung des Taubensport beschäftige, sowohl auf medizinischer Ebene als auch auf der Ebene der Gesundheitserhaltung, stellte sich deutlich heraus, dass wirtschaftliches Handeln für Liebhaber eine Rolle spielt. Nicht jeder Liebhaber kann problemlos das Portemonnaie für das hochwertigste Taubenfutter zücken. Es gibt also genug Taubenschläge, in denen die Qualität des Futters den finanziellen Möglichkeiten entspricht, also weniger hochwertig ist.

Während der Ruheperioden wird die Futterwahl zu wenigen oder gar keinen Problemen führen. Und wenn man sich für gutes Keimfutter entscheidet, dann auch während der Flugsaison nicht oder nur kaum. Aber Futter steht häufig nicht ganz oben auf der Prioritätenliste und das kann in einigen Fällen durchaus zu Mangelerscheinungen führen. In solchen Zeiten kann das Geben von ergänzenden Mitteln nicht nur sinnvoll, sondern eine absolute Notwendigkeit sein, um weitermachen zu können. Es ist viel besser, nicht beim Futter zu sparen, sondern auf eine hohe Qualität zu achten und notfalls weniger Tauben zu halten, aber dafür keine Kompromisse eingehen zu müssen, wenn es um das beste Futter geht.

Wodurch können, häufiger als den Futtermittelherstellern lieb ist, Mangel an Mikronährstoffen entstehen? Die im letzten Jahrzehnt entstandene Notwendigkeit nach größeren Ernten von u.a. Körnern und Saaten hat zu einem vermehrten Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger geführt. Auch der Einsatz genmanipulierter Saaten (GMO) hat in rasantem Tempo zugenommen. Die Betriebe, die finanzielle Interesse an vorwiegend diesen Produkten haben, haben zu diesem Anstieg beigetragen. Verschiedene Faktoren haben also dafür gesorgt, dass die Qualität von landwirtschaftlichem Boden deutlich zurückgegangen ist.

Durch den Einsatz von Kunstdünger werden dem Boden einseitig Nährstoff zugeführt, vor allem Kalium, Stickstoff und Phosphor. Diese Stoffe des Kunstdüngers gelangen natürlich auch in den Boden. Die Bodenstruktur aber ist entscheidend, um die in der Erde vorhandenen Minerale in für die Pflanze wichtige organische Verbindungen zu verwandeln. Und beginnt das Dilemma: Wenn der Boden nur einseitig mit Nährstoffen versorgt wird, wird auch die daraus entstehende Pflanze nur einseitig mit Nährstoffen versorgt. Die Menge an Mineralien, die Pflanzen während ihres Wachstums aufnehmen können, wird hierdurch beträchtlich eingeschränkt; und das wiederum kann zu einer minderen Qualität der Körner und Saaten führen. Auch die Anfälligkeit der Pflanzen für Krankheiten nimmt dadurch zu. Fungizide und Pestizide werden in der Folge eingesetzt, um diese Krankheiten zu verhindern. Und auch diese Stoffe gehen auf Körner und Saaten über. Der Einsatz dieser Mittel hemmt die Pflanzen darin, schützende sekundäre Pflanzenstoffe zu produzieren, die für den Eigenschutz gegen Schimmel und andere Verunreinigungen wichtig sind. Gerade diese sekundären Pflanzenstoffe können einen wertvollen Beitrag für die Gesundheit der Tauben liefern. Der Nährwert der Körner und Saaten nimmt folglich ab. Die Stoffe, die wir in der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe meinen, sind u.a. Allicin, Anthozyane, Carotinoide, Flavenoide, Indole, Lignane, Luteine, Lycopin, Polyphenole und Salvesterole. Später werden wir, wenn es um Kräuter und andere Produkte geht, auf einen Teil dieser wertvollen Substanzen detaillierter eingehen; diese sind wichtig, denn sie unterstützen einerseits die Gesundheit der Tauben und helfen andererseits auch dabei, die Form der Tauben zu verbessern.

Die Früchte, Saaten und Körner sehen noch immer noch genauso wie früher aus. Und gerade bei den Früchten finden wir Konsumenten das Aussehen häufig wichtiger, als das, was drin steckt. Wir hoffen und vertrauen immer darauf, dass alles gut ist und genügend Nährstoffe enthalten sind; wir kümmern uns aber nicht weiter darum. Weltweit wurden eine Vielzahl Untersuchungen durchgeführt, die den Rückgang an Spurenelementen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen belegen. Bei einigen lag der Rückgang bei 95%. Dieser dramatische Rückgang an wichtigen Nährstoffen kann einfach nicht folgenlos bleiben. Und es bleibt auch nicht folgenlos. Der Taubensport hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Leistungssport entwickelt. Vor 20 Jahren konnte man als Tierarzt in der Taubenbegleitung noch ganz entspannt ab und zu mal vorbeischauen und alles funktionierte. Heute hingegen sind die Probleme viel komplexer.

In unserer Taubenklinik hören wir von Liebhabern immer häufiger, dass sie den Eindruck haben, dass ihre Tauben immer schwächer werden, dass immer häufiger gekurt werden muss und dass das doch früher nicht so war. Wir können sagen, dass neue Krankheiten dazu gekommen sind und Tierärzte sind gut darin, Krankheiten mit Antibiotika zu bekämpfen. Ich würde aber sagen, dass ist wie mit Kanonen auf Spatzen schießen, ohne sich näher den Ursachen der Probleme zu widmen.

Das ist doch nur verständlich, möchte man vielleicht denken. Die Entwicklungen passieren nicht vom einen auf den anderen Tag, sondern passieren schleichend über einen längeren Zeitraum, sodass wir den Rückgang in der Qualität des Futters kaum mitbekommen. Die Hersteller selbst können daran kaum etwas ändern. Sie sind grundsätzlich von den Körnern und Saaten abhängig, die auf dem Weltmarkt angeboten werden.

Alles ist miteinander verbunden. Der Rückgang in der Futtermittelqualität bezüglich der Nährgehalte ist im Laufe der Jahre langsam und schleichend verlaufen. Erst, wenn man Werte von zum Beispiel 1966 mit Werten von 2005 vergleicht, wird der dramatische Rückgang deutlich. Die Folgen für die Gesundheit der Tieren sind also auch nicht von heute auf morgen entstanden. Sie haben sich langsam eingeschlichen. In der Wahrnehmung der betroffenen Liebhaber werden diese Folgen häufig als ungünstiges Zusammenspiel der Umstände erklärt und abgetan.

Die Tatsache, dass Spurenelemente und Mineralien immer weniger werden, ist im Grunde noch viel wichtiger, als der Rückgang an Vitaminen. Mineralien und Spurenelemente spielen eine wirklich entscheidende Rolle für das Funktionieren von großen Enzymverkettungen, die dafür sorgen, dass der Organismus der Taube sich gut entwickelt und gut funktioniert. Ein Mangel führt nicht zwingend direkt zu dramatischen gesundheitlichen Beschwerden. Der Körper ist erfinderisch und kann viel kompensieren. Wiederholte und dauerhafte Mängel hingegen wird der Körper nicht unbeschadet überstehen können. Sowieso, wenn Enzymsysteme betroffen sind, die für die Abwehr des Körpers eine wichtige Rolle spielen. Die Abwehrkräfte leiden dann darunter. Bei einem erhöhten Infektionsdruck werden Tauben mit diesen Mängeln den Infektionen als erste zum Opfer fallen. Aber nicht nur diese Enzymsysteme können betroffen sein. Auch Enzymsysteme, die eine gute Muskelarbeit, Verdauung und den Stoffwechsel betreiben werden nur auf einem niedrigen Niveau arbeiten können. Das ein oder andere Mal mündet das in Formverlusten und schlechteren Flugleistungen und Flugergebnissen. Diese Veränderungen sind so subtil, dass sie vom Liebhaber häufig als Krankheit gewertet werden. Die Beschwerden versucht der Liebhaber dann erst einmal mit Medikamenten zu heilen. Wenn sich die Situation danach verbessert- zum Beispiel, weil durch die Schwächung tatsächlich eine Infektion entstehen konnte, die in einem starken Körper keine Chance gehabt hätte- fühlt der Liebhaber sich in seinem Handeln bestätigt.

Bei Infektionen der Atemwege von Tauben sehen wir ein ähnliches Phänomen. Liebhaber stellen bei ihren Tauben Probleme mit den Atemwegen fest. Häufig kommen diese Probleme immer wieder und deswegen kuren die Liebhaber regelmäßig. Dabei wird nicht in Erwägung gezogen, dass die Ursache eventuell auch eine andere sein könnte, zum Beispiel die Belüftung im Schlag und gar nicht die Krankheit, die sie bei ihren Tauben festgestellt haben oder haben feststellen lassen.

Diese Arten von Krankheitserscheinungen sind für mich Grund genug, das Gespräch in Richtung präventiver Gesundheitsfürsorge zu leiten. Wir sollten uns auf den Gesundheitsansatz konzentrieren und der besteht darin, den allgemeinen Widerstand zu stärken und darin, die Unterstützung durch die richtigen Mengen an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien zu optimieren. Wenn die Tauben schon krank sind, müssen wir erst probieren, sie von der Krankheit zu befreien. Aber: der Zeitpunkt der Genesung muss der Anfangspunkt für vorbeugende Maßnahmen sein, um zu vermeiden, dass die Beschwerden wiederkommen und die Tauben folglich konstant unter ihrem Niveau bleiben.

In der Praxis gestaltet sich das aber schwieriger. Wir sind alle schon so lange dabei und haben uns an das immerwährende Kredo gewöhnt, dass Vitaminpräparate als Ergänzung überflüssig sind. Man bekommt mittlerweile schon fast das Gefühl, dass unsichtbare Kräfte am Werk sind, die uns auf den falschen Pfad führen wollen. Manchmal fühlt es sich an, als müsse ich mich rechtfertigen gegenüber Liebhabern, die eine falsche Darstellung der Dinge einfach so für sich als Wahrheit übernommen haben. Sie glauben ausschließlich daran, regelmäßig Antibiotika zu geben und glauben keinesfalls an die Sinnhaftigkeit der vorbeugenden Gesundheitssorge.

 

Viel Erfolg

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Peter Boskamp

 

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Das Buch konzentriert sich auf die Bereiche Krankheitsbekämpfung, Gesundheitsvorsorge und  Leistungsförderung  bei  Tauben. Einige Kapitel witmen sich der Pestkop-Bakterie mit allen bekannten Hintergründen. Der Zusammensetzung des Buches wurde viel Aufmerksamkeit geschenkt. Der Ausgangspunkt war, ein Buch für Taubenzüchter zu schreiben.

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