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Das Kotbild
Der Zeitpunkt der Saison, die Fütterung und die Gesundheit können Ursachen für Veränderungen im Kotbild sein. Das ist nicht ganz einfach, und um dies gut zu verstehen, muss der Zusammenhang aufgerollt werden.
Die klassische Fütterung, d.h. „Körner und Wasser“ geht durch den Kropf (Anschwellung durch Imprägnation Wasser/Körner), passiert den Drüsenmagen (Ansäuern der mit Wasser getränkten Körner) und wird dann im Muskelmagen zu einem Brei zermahlen (durch den Grit). Dieser Futterbrei passiert anschließend den Darm und erhält die Galle (Emulsion der Fettstoffe, der Mais-, Weizen-, Sonneblumen-, Kardi-, Hanf-, Rapskeimöle, usw., d.h. sie gibt sie in sehr feinen Tröpfchen ab, und diese Tröpfchen sind dann fähig, die Gefäßwand der inneren Darmwand zu durchqueren). Danach kommen die Bauchspeichel- und Darmsäfte hinzu, die sich einerseits an die Stärke (Zucker), andererseits an die Proteine (Aminosäuren) hängen, um diese in kleine Moleküle aufzuspalten, die dann so beschaffen sind, dass sie von der Darmschleimhaut aufgenommen werden kann, das ist dann der Darmbestandteil des Kotes. In der Kloake enden auch die beiden Harnleiter, Kanäle, die von den beiden Nieren kommen. Die Nieren sind die Filter des Blutes. Sie scheiden dort überschüssiges Wasser aus, aufgelöste oder feine ungelöste Abfallprodukte. Dies sind im wesentlichen die Harnsäuresalze (Abbauprodukte bei der Proteinverwertung), Phosphate, freie Aminosäuren, Hormone usw. Kot ist daher die Schichtung der Darm- und Nierenproduktion. Seine innere Zusammensetzung wird sicherlich kaum den Liebhaber interessieren.
Aber jede Anomalie in der Zusammensetzung ist das Zeichen eines Ungleichgewichts, das sich in eine Anomalie des äußeren Aussehens überträgt. Zuallererst ist die Farbe des Kotes eine Folge der Fütterung: Getreide (Gerste, Weizen, Mais) macht den Kot hellbeige. Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen), bestimmte Ölfrüchte (Sonnenblumenkerne, Raps) machen ihn braun/grün. Der Zellulosegehalt des Futters (Hülsenschalen/Grünfutter) macht ihn dicker und kräftiger. Dagegen begünstigt Zellulosemangel (weniger als 5% im Futter) eine durchfallartige Struktur des Kotes. Die Kotstruktur muss sehr sorgfältig studiert und verstanden werden. So ist es wichtig zu wissen, ob ein Durchfall durch ein Ungleichgewicht Wasser/Körner, also durch anomalen Durst, oder durch Störungen bei der Darmverwertung zustande gekommen ist. Die Ursache ist total verschieden, und die Lösung des Problems ebenfalls. Nehmen wir einmal an, eine Taube nimmt zuviel salzhaltigen Grit auf. Ihr Blut wird schnell „zu salzig“ sein und das verursacht sofort einen Durstreflex. Die Tauben wird mehr Wasser als gewöhnlich aufnehmen, um den Normalgehalt des Blutes an Salz wiederherzustellen (9 auf 1000). Aber jetzt ist auf einmal zuviel Wasser im Körper. Die Nieren werden den Überschuss an salzigem Wasser eliminieren.
Wir finden dann einen zylindrischen Kot mit regelmäßigen Bruchstücken inmitten einer Wasserlache. Dem Darm geht es sehr gut, er produziert vollkommen normalen Kot. Aber im Bereich der Kloake kommt durch die Harnleiter eine übermäßige Wasserwelle an, und das Ganze wird ausgestoßen, bevor es zu einer engeren Vermischung kommt. Dieser Kot ist typisch für alle Reizungen der ersten Verdauungswege, seien sie nun chemischer Art (Mineralungleichgewicht durch Salz-, Phosphat-, Kalzium und Mineralüberschuss im allgemeinen, besonders zur Aufzuchtzeit), oder seien es Vergiftungen durch Kunstdünger, bakteriellem oder parasitärem Ursprung (Entzündung Mund/Kropf durch Trichomonaden und angesiedelte Mikroben).
Dagegen wird infolgedessen eine Darmentzündung selber, sei es durch eine innere Vergiftung, sei es durch eine für dieses Organ typische Krankheit, auch Durst hervorrufen. Dies aber deshalb, weil die Ausbreitung von Wasser und Nahrungsbestandteilen durch die Darmwand (dem Blut entgegen) schlecht ist. Die Taube wird nicht nur abnehmen, weil sie schlecht assimiliert, sondern ihr verdickter Darm wird das eingenommene Wasser nicht passieren lassen. Bei manchen Autopsien findet man einen dicken, harten Darm vor, wie ein „Pfeifenstück“, besonders wenn die Taube seit längerer Zeit an Haarwürmern, Kokzidiose oder Paratyphus leidet. Dieser schlecht funktionierende Darm, der zuviel nicht aufgenommene Nahrungsbestandteile enthält und in dem zuviel Wasser ist, wird der Sitz anomaler Gärungen und Erzeuger von Gasen sein. Der Kot sieht dann wie flüssige kleine „Fladen“ aus, in sich gleich, von widerlichem Geruch. Die Galle spielt eine sehr wichtige Rolle. Man denke an die grüne Farbe, die sie, je nach Proportion, zum Kot von Tauben mit Trichomonen, Haarwürmern oder Paratyphus überträgt. In der Tat hat diese excessive Gallenproduktion noch bisher schlecht erklärte Entzündungsursprünge. Wenn die Taube z.B. Spulwürmer hat, dann ist ihr Kot niemals grün, sondern im Gegenteil oft blass (erdig/rissig). Die Larven der Spulwürmer vollführen dieselbe Wanderung (Eingeweide, Leber, Lunge, Darm) durch den Gast. Trichomonaden lassen sich sehr leicht in der Leber feststellen, ebenso wie die Salmonellen des Paratyphusses (bronzierte Leber). Die Existenz anderer Komponenten im Kot kann von großem Interesse sein. Bei den Haarwürmern kann die Aufnahme der Würmer durch die Darmwand eine solche Entzündung verursachen, dass das Organ durch Absonderung von dickem, zähen Schleim reagiert. Der Kot von mit diesen Parasiten befallenen Tauben ist folgendermaßen zu charakterisieren: klebrig, sehr dunkelgrün, klein, weich. Sicherlich gibt es auch Symptome, die an den Tauben selber zu erkennen sind: Magerkeit nach 6 bis 8 Wochen, trauriges Herumsitzen, usw. Manchmal findet man Blut im Kot. Wenn es sich um Blut handelt, das „sehr hoch“ aus der Gegend des Muskelmagens oder vom Anfang des Darmes herkommt, dann ist dies natürlich schwierig zu sehen, denn es wird teilweise verdaut und hat eine braune, wenig charakteristische Farbe. Richtig „rot“ erscheinen nur die späteren Darmblutungen. Sie haben die meiste Zeit zwei große Ursachen:
1. Die Aufnahme eines Rattengiftes (Antigerinnungsmittel). Die Taube hat vergiftete Körner gefressen, die unklug ausgestreut wurden. Die Symptome erscheinen erst 3-5 Tage später (Ausbrechen von Blut, blutiger Durchfall). Heilmittel ist die frühe Injektion des Vitamins K1, die mehrere Tage wiederholt werden muss.
2. In sumpfigen Gegenden kommt es vor, dass Tauben bestimmte Würmer haben, die vor allen Dingen Schwimmvögel befallen. Sie haften sich an die Darmwand an und verursachen dort sehr schnelle tödliche Blutungen. Eine Autopsie ist in solchen Fällen unbedingt erforderlich, um die Existenz dieser sehr seltenen Würmer nachzuweisen und um so eine Behandlung der anderen Tauben des Bestandes zu ermöglichen.
 Jeder Liebhaber beobachtet sehr genau den Kot. Man kann sagen, dass das äußere Bild des Kotes ein Barometer der Gesundheit ist.
Das Verdauungssystem
1. Speiseröhre
2. Kropf
3. Drüsenmagen
4. Muskelmagen
5. Bauchspeicheldrüse
6. Zwölffingerdarm
7. Blinddarm
8. Leber
9. Dünndarm
10. Kloake
11. Enddarm
12. Anus
Dr. J.P. Stosskopf
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