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  30.07.2010

Kolumne - Dipl.-Biologe Alfred Berger AUGUST 2010 - Warum beherbergt mein Taubenschlag Brieftauben?

 

Warum beherbergt mein Taubenschlag Brieftauben?
 
 
Die letzten Wochen und Monate wird von verschiedenen Autoren Teils in Kolumnen oder Leserbriefen vom „Untergang des Brieftaubensportes“ oder „Es ist 5 vor 12“ usw. geschrieben und kommentiert. Dieses Thema beschäftigt uns aber nicht erst dieses Jahr, sondern schon viel länger. Sind es nicht schon Jahre oder gar Jahrzehnte? In älteren Jahrgängen diverser Brieftaubenzeitschriften
 
finden sich auch schon Diskussionen, um den Erhalt der Brieftaubenzucht.
 
Im Mittelpunkt steht zumeist der Rückgang der Mitgliederzahlen. Und es ist uns ja allen klar, je weniger Mitglieder wir in den Regionen haben, umso größer wird der Idealismus der verbleibenden Züchter für ihr Hobby Brieftauben anwachsen müssen. Auch in den Gründerjahren der Brieftaubenzucht waren es die Idealisten die mit großen Mühen Wettflüge organisierten. Und die Mühen Wettflüge mit Brieftauben zu organisieren werden mit sinkenden Mitgliederzahlen größer werden.
 
Es werden viele Gründe für diese Entwicklung angeführt. Heute fokussierte sich dies zumeist auf Meisterschaftssysteme und die damit im Zusammenhang stehenden Mindestbedingungen. Ich möchte mit diesem Artikel nicht auf diese Diskussion eingehen, denn in meinen Augen werden Meisterschaftsbedingungen, wie auch immer sie formuliert sind, nicht dazu beitragen, Menschen außerhalb unserer Reihen für unsere Brieftauben zu begeistern. Noch weniger werden diese dazu in der Lage sein, bestehende Mitglieder und aktive Züchter zu begeistern und damit beim Sport zu halten. Ich habe noch keinen einzigen Züchter gesprochen der von sich behauptete hätte, dass er aufgrund von Meisterschaften Brieftauben züchtet und an Wettflügen teilnimmt. Der eigentliche Grund Brieftauben zu züchten liegt doch in der Faszination für die Leistungsfähigkeit dieser Tiere und in der Begeisterung dafür. Meisterschaften sind vielmehr Ziel und damit Anlass sich für und mit seinen Tieren anzustrengen.
 
Begeisterung für Brieftauben entsteht sicher nicht durch eine Meisterschaft, sondern Begeisterung oder auch Bewunderung empfinde ich selbst und empfange es von Außenstehenden wenn Brieftauben große Leistungen abliefern. Für Außenstehende sind das Heimfindevermögen und die große Orientierungsfähigkeit der Brieftauben schon eine große Leistung und ein erstaunliches Vermögen. Wo auch immer ich darüber spreche bekommen die Tauben große Anerkennung und auch Bewunderung. Persönlich empfinde ich es als eine besonders große Leistung wenn Tauben bei 600 km, Gegenwind und über 30°C am Mittag unbeirrt ihren Heimatschlag erreichen. Das ist für mich extrem bewundernswert und auch begeisternd.
 
Beim Stichwort „Begeisterung“ möchte ich auf meine eingehende Frage zurück kommen „Warum beherbergt mein Taubenschlag Brieftauben?“
 
Es wird mir sicher kaum ein Brieftaubenzüchter widersprechen, dass die gerade geschilderten Leistungen begeisternd sind. Dennoch müssen wir uns auch bewusst sein, dass es Tauben gibt die diesen hohen Anforderungen nicht genügen. Sei es, dass sie nicht die Orientierungsfähigkeit haben, dass sie nicht den Willen, die Fähigkeit oder das Alter besitzen, um solche körperlichen Anstrengungen zu bewältigen oder durch mangelnde Fitness und/oder Gesundheit nicht in der Lage dazu sind.
 
An diesem Punkt reden wir von Verlusten mit denen Brieftaubenzüchter leider auch rechnen und leben müssen. Das schlimme an den Verlusten ist, dass es die nicht heimkehrenden Tauben in freier Natur sehr schwer haben ohne die Betreuung des Menschen zu überleben. Aber viele „Nachzügler“ schaffen es dennoch auch heute noch, nach Wochen wieder heimzukehren. Je nach Verfassung oder Pflegezustand kann man leicht nachvollziehen, ob sie die Zeit im Freien überstanden haben oder in menschlicher Obhut. Auch wenn wir als Züchter mit Verlusten leben müssen entbindet uns dies nicht von der Verpflichtung, dafür Sorge zu tragen, dass die Tiere kein unnötiges Leid ertragen müssen. Hier sind natürlich die Organisationen mit ihren Funktionsträgern gefordert. Hierzu ist schon viel diskutiert worden und Anschuldigungen verteilt. Unstrittig ist, dass die Tauben bestmögliche Bedingungen haben müssen. Dies gilt für den Transport genauso wie für den Heimflug. Hinter dieser Feststellung steht in meinen Augen aber auch unsere Verantwortung als individueller Tierhalter, unsere Brieftauben auf ihre Aufgaben vorzubereiten. Und nicht nur das, sondern auch die Herausforderung nur von den Tiere diese Aufgaben abzuverlangen, die dazu in der Lage sind diese zu erfüllen. Mancher Verlust und die Diskussionen und das Infragestellen von großen Entfernungen, Temperaturen, großen Konkurrenzen mit tausenden von Tauben usw. würden nicht stattfinden, wenn wir nur Tauben an diesen Flügen teilnehmen ließen die auch eine gewisse Erfahrung, Routine und das nötige Alter mitbringen. Der gerade für einige Züchter verlustreiche Wettflug von München am 26. Juni 2010 dokumentiert doch geradezu, dass es die unerfahrenen Jährigen sind, die nicht in der Lage waren diese große Herausforderung am ersten Tag zu bewältigen.
 
Es wird mir erneut kaum ein Züchter widersprechen wenn ich behaupte, dass gut vorbereitete Brieftauben zu großen Leistungen fähig sind. Aber es ist eben nicht nur die optimale Vorbereitung, sondern auch die entsprechende Erfahrung und Alter welches mitbestimmt über erfolgreiche Heimkehr oder Verlust.
 
Die Frage die sich mir aber auch stellt ist, wollen wir als Gemeinschaft überhaupt noch großen Leistungen erleben? Ich hoffe ja, denn es sind doch noch immer die so genannten „weißen Raben“ gewesen, die selbst bei großen Entfernungen, hohen Temperaturen, Gegenwind und oftmals auf den Endflügen ihre Bestleistungen und damit große Leistungsfähigkeit bewiesen haben und die dann in der Zucht an ganze Generationen ihre Eigenschaften weiter gegeben haben. Wenn wir diese Leistungen über Generationen nicht mehr abverlangen, werden diese Fähigkeiten verloren gehen.
 
An dieser Stelle möchte ich die möglicherweise provokante Ausgangsfrage „Warum Brieftauben meinen Taubenschlag beherbergen?“ aufgreifen. Vorab muss ich noch eins festhalten, Tauben unabhängig ob Brieftauben, Kunst-, Hochflug- oder andere Rassetauben erfreuen mich persönlich und ich kann mich für einen sehr großen Teil dieser unterschiedlichsten Rassen und Ausprägungen begeistern. Warum befinden sich aber in meinem Taubenschlag vor allem Brieftauben und keine Kunst- oder Hochflugtauben?
 
Viele Leser werden denken, weil ich den sportlichen Wettkampf mag oder auch weil mich die Orientierungsleistungen begeistern, usw. Und ich würde diesem immer zustimmen, denn dies sind ja auch meine vordergründigen Beweggründe.
 
Ich möchte dies aber auch einmal aus einer ganz anderen Sichtweise beleuchten. Evolutionsbiologisch betrachtet haben wir Brieftaubenzüchter durch das Erstellen eines Taubenschlages und die Durchführung von Trainings- und Wettflügen einen Lebensraum bzw. eine Nische geschaffen in der nur eine gewisse Population an Individuen überleben können, und das nun schon seit über einem Jahrhundert. Es ist eine Nische die durch Selektionsdruck besondere Eigenschaften hervorbringt bzw. erhält. Und dieser Zusammenhang gilt für alle Lebensräume auf unserer Erde. Die Evolution ist dadurch gekennzeichnet, dass sich über die Zeit Arten den Lebensräumen anpassen bzw. sich die Lebensräume „suchen“ in denen sie den unterschiedlichsten Selektionsdrücken genügen. Der Selektionsdruck oder die Nische „Brieftaubenschlag“ schafft als besondere Anforderung u.a. die „Koloniefähigkeit“, also die Fähigkeit auf relativ engem Raum in großer Tierzahl miteinander leben zu können, die Fähigkeit mit der Nähe des Menschen zu leben (Domestikation) und insbesondere die Fähigkeit über größte Entfernungen bei „schweren“ Bedingungen heimkehren zu können. Wer diesen Anforderungen nicht genügt wird sich in dieser Nische nicht weiter vermehren können.
 
Wenn man die Evolution in die Diskussion mit einbindet, gewinnt der Taubenschlag und der Wettflug eine ganz andere Bedeutung. Wenn Wettflüge und die damit verbundenen Anforderungen infrage gestellt werden, muss man auch in die Diskussion einbringen, dass wir durch die Wettflüge eine Nische erhalten in die sich die Population „Brieftauben“ angepasst haben. Und nach Darwin, einem der Begründer der Evolutionstheorien, kommen nur die am besten angepassten Individuen zur Vermehrung und erhalten damit die Population.
 
Wenn wir aber die seitherigen Anforderungen die durch die Wettflüge an die Tauben gestellt werden verändern, also in diesem Sinne Entfernungen verkürzen, bei höheren Temperaturen auf Wettflüge verzichten, bzw. diese nur verkürzt durchführen verändern wir die Fähigkeiten dieser Population. Und wir müssen uns klar machen, dass wir dies bereits getan haben, denn warum müssen wir bei großen und lang anhaltenden Regengebieten oder geschlossener Wolkendecke feststellen, dass eine große Anzahl an Individuen der Population diesen Anforderungen nicht mehr genügen? Ganz einfach, weil wir durch moderne und flexible Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten sowie Informationstechnologien die Tauben zumeist bei „optimalen“ Bedingungen starten. Aber wir wissen auch, dass dadurch die Eigenschaft bei solchen Bedingungen heimzukehren verloren geht.
 
In meiner Zeit an der Universität Frankfurt konnte ich in der Arbeitsgruppe um Prof. Wolfgang Wiltschko diverse Versuchsreihen zur Orientierung von Brieftauben begleiten (1990-1995), wobei ich für 18 Monate in Vertretung der ausgeschiedenen Tierpflegerin die Tauben komplett versorgte und betreute. Und ich darf sagen, dass die Brieftauben der Uni Frankfurt, übrigens gingen diese ursprünglich überwiegend auf die Tauben des ehemaligen Präsidenten des Brieftaubenverbandes Erich Heinemann zurück, auch in der Lage waren sich bei geschlossener Wolkendecke und Regen zu orientieren und ohne größere Verluste auch über längere Strecken und noch dazu aus allen Himmelsrichtungen heimzukehren. Nur wurden diese Tauben von klein auf damit konfrontiert und dann gehen natürlich auch Tauben verloren, aber die die übrig bleiben bestehen diese Anforderungen.
 
Eine Diversität innerhalb von Populationen, also das Vorhandensein von unterschiedlichen Merkmalen und Eigenschaften sind für die Evolution, also die Entwicklung und Anpassung einer Art an sich verändernde Umweltbedingungen unbedingt notwendig. Uniformitäten von Populationen sind evolutionsbiologisch sehr riskant, da sich Populationen dann nur schwer an sich ändernde Umweltbedingungen anpassen können.
 
Dies soll keine wissenschaftliche Abhandlung sein, sondern dazu beitragen, den Sinn, eventuell auch die Notwendigkeit und Rechtfertigung unseres „geliebten“ Hobbys zu ergründen. Mit der von mir mit der Überschrift gestellte Frage „Warum beherbergt mein Taubenschlag Brieftauben?“ kann aus evolutionsbiologischer Sicht manches anders bewertet werden, so ist der Brieftaubenschlag und der gesamte Brieftaubensport mit seinen Wettflügen auch als eine Nische für diese so begeisternde Spezies zu betrachten. Andere Tiere finden in diesem Lebensraum keinen Platz und können sich deswegen auch nicht darin vermehren und exisiteren. Die Nische sorgt aber auch dafür, dass die notwendige Variabilität der Individuen dieser Population erhalten bleibt. Dabei werden manche Individuen den Anforderungen genügen, andere aber nicht. Welche Anforderungen gestellt werden, wird durch uns Züchter bzw. durch unsere Organisationen und den Verantwortlichen, sowie durch äußere Umweltfaktoren wie Wind, Regen, Temperatur usw. bestimmt. Wir haben es also selbst in der Hand, was wir mit dieser sicher nicht für jeden zugänglichen Sichtweise machen!
 
Gut Flug
Alfred Berger
Messe Hallen
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Hok Smits-Mellaerts

 

Leo Heremans

 

Marina van de Velde

 

Davy Tournelle

 

Kris Cleirbaut

 

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Samson Boye Erik Samson & Kristine Boye

 

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Johan de Belser

 

Lismont Patrick

 

Jos Veulemans

 

Leo van Rijn

 

Hok Jos Vercammen

 

Lionel Debusschere

 

Jef Vanwinkel

 

Peter + Dr. Hans-Peter Brockamp International Long Distance Champions

 

Pierre Vercamst

 

Vandenheede Freddy & Jacques

 

Interpalomas Lofts B.V.

 

Lambrechts-Lismont

 

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