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Finale der Altreise - Vorflüge der Jungtiere
Nachdem wir im April bis Ende Mai noch für die Jahreszeit viel zu geringe Temperaturen hatten, sind diese am letzten Maiwochenende und im Juni deutlich gestiegen. Und so kam es auch, dass wieder zahlreiche Züchter von Problemen mit der so genannten „Beinlähme“ beim Landen ihrer Tauben vom Wettflug berichteten.
In erster Linie ist dafür der Wasserverlust während des Wettfluges bei hohen Temperaturen verantwortlich. Dabei belasten die höheren Umgebungstemperaturen die Temperaturregulation enorm. Anscheinend muss der Stoffwechsel sich an höhere Temperaturen immer gewöhnen. Ist es sehr warm verdunsten die Tauben über die Atmung größere Mengen Wasser. Dabei wird sehr effektiv Wärme abgegeben. Jedoch kann dieser Wasserverlust ein begrenzender Faktor werden. Bei längeren Flügen, Gegenwind und hohen Temperaturen kann es so schnell zu einem Wassermangel kommen. Nehmen die Tauben während des Wettfluges kein Wasser auf, was wir ja von unseren Tauben erwarten, um möglichst schnell ans Ziel zu kommen, kommt es zu dem beschriebenen Symptomen. Möglicherweise ist die Wasseraufnahme im Kabi aber auch nicht optimal gewesen. Auf alle Fälle sollte eine ausreichende Tränkung im Kabi immer realisiert werden.
Um den oben beschriebenen Symptomen vorzubeugen werden gerne Elektrolyte vor dem Flug eingesetzt. Auch wenn in erster Linie der Wasserverlust dazu führt erreichen es doch sehr viele Züchter mit der Gabe von Elektrolyten, dass die Tauben auch nach langen Flügen ohne Beinlähme nach Hause kommen.
Optimierte Kombinationen von Elektrolyten enthalten die für den Wasserhaushalt wichtigen Inhaltsstoffe Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Chlorid und auch phosphathaltige Verbindungen. Diese sorgen im richtigen Verhältnis bei Feuchtigkeitsverlust für eine schnelle Normalisierung der Körperflüssigkeit, für einen ausgewogenen Wasserhaushalt in allen Geweben, sowie Organen und verkürzt somit bedeutend die Erholungsphase. Zusätzlich können Elektrolytpräparate Magnesium und Kalium enthalten. Diese sind wichtig für Muskel- und Herzfunktionen. Elektrolyte sind also in Wasser gelöste Salze und werden nach großen Anstrengungen zum Ausgleich der Elektrolytverluste, aber auch bei Vergiftungen, Durchfall, sowie nach Antibiotikagaben zumeist über das Trinkwasser verabreicht.
Auch wenn man mit zusätzlichen Elektrolytgaben positive Effekte erzielen kann, muss man festhalten, dass die ganzheitliche Versorgung mit lebensnotwendigen Nähr- und Wirkstoffen grundsätzlich im Vordergrund stehen muss. An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf meinen letzten Beitrag bzgl. Carnitin und dessen Wirkung auf die Wärmeregulation aus der Juni Ausgabe hinweisen. Ein optimiertes Versorgungskonzept wird aber immer auch den Elektrolythaushalt berücksichtigen. Wissenschaftliche Untersuchungen beim Vogel haben gezeigt, dass durch den Wettflug kein Elektrolytverlust entsteht, da Tauben nicht schwitzen und somit keine Elektrolyte über den Schweiß abgeben.
Die vielen positiven Erfahrungen mit zusätzlichen Elektrolytgaben zeigen aber recht eindrucksvoll, dass damit kaum mehr Beinlähme zu beobachten sind. Untermauert wurden diese Erfahrungen mit eigenen Untersuchungen an unseren Reisetauben. Wenn auch nur eine kleine Gruppe untersucht wurde, so liegen mir Daten diverser Blutbestandteile von 1 – 2 Tauben die wöchentlich analysiert wurden vor. Wir konnten in unseren Analysen im Hinblick auf den Elektrolythaushalt keinerlei abnorme Werte oder sonstige Auffälligkeiten im Blutbild feststellen. Unser Konzept der kontinuierlichen Versorgung mit allen Nähr- und Wirkstoffen sowie die Gabe spezieller leistungsfördernder Produkte sehen wir als Grundlage dieser Ergebnisse an.
Im Laufe des Monats Juni sollten normal gehaltenen Jungtauben längere Zeiten fliegen bzw. „Ziehen“. Das längere Entfernen vom Schlag schult nicht zuletzt das Orientierungsvermögen. Bei Jungtauben die von sich aus nicht lange fliegen, würde ich immer mit der Fahne nachhelfen. Auch mit einer leichten Fütterung kann man das Flug- und Trainingsverhalten verbessern. Kurze Trainingsflüge können auch dazu beitragen, die Tauben ans fliegen zu bekommen, wenngleich gerade bei „schlecht“ fliegenden Jungen auch von kürzesten Entfernungen die Gefahr von Verlusten besteht.
Trichomonaden brauchen heutzutage keine Ursache mehr für geringe Flugfreude sein, da man täglich z.B. mittels Säurekombinationen über die Tränke diese unter Kontrolle halten kann. Eine sehr wirksame und natürliche Maßnahme zur Gesunderhaltung. Bei dieser Daueranwendung werden Trichomonaden nur sehr selten in Kropfabstrichen nachgewiesen. Auch dunkle Nasen oder ähnliche Symptome sind somit kaum mehr zu beobachten, da der allgemeine Keimdruck und die Krankheitsübertragung über die Tränke kontrolliert werden. Ich möchte an dieser Stelle auf einen bedeutungsvollen Vorteil der Säurekombinationen hinweisen. Durch die Senkung des pH-Werts mittels Ansäuerung des Trinkwassers mit Säurekombinationen wird eine „dauerhafte“ Keimunterdrückung und damit Kontrolle der Tränke erreicht. Auch wenn man die Tränke mehrere Tage stehen lässt bleibt die Wirksamkeit erhalten und die Trinkwasserqualität bleibt erhalten.
Die Reduzierung des allgemeinen Keimdrucks (Infektionsdruck) ist auch im Zusammenhang mit den in den nächsten Wochen wieder vermehrt zu erwartenden Problemfeld „Jungtierkrankheiten“ zu bedenken. Wie wir heute gut wissen, wird die Jungtierkrankheit durch das Circovirus ausgelöst. Es kommt zu einer ausgeprägten Immunschwäche in deren Folge patogene Keime aber auch so genannte „fakultative“ Keime sich stark vermehren. Fakultative Keime können unter normalen Bedingungen keine Krankheiten auslösen. Durch die Immunschwäche vermehren sich aber alle Keime sehr stark und führen dann zu den bekannten Krankheitssymptomen.
Deswegen sind alle Maßnahmen sinnvoll und haben eine vorbeugenden Funktion, die dazu beitragen den allgemeinen Infektionsdruck, also die Menge an schädlichen Bakterien mit denen sich die Tauben auseinandersetzen müssen zu reduzieren. Die aktive Vorbeuge beginnt nach meiner Auffassung also mit der Reduzierung des Infektionsdrucks über das Trinkwasser durch den täglichen Einsatz von Säurekombinationen. Hinzu kommen mögliche Immunisierungen gegen die bekannten Viruserkrankungen. Mit jeder Impfung wird die Abwehr gesteigert, was als Boostereffekt, also die gesteigerte Bildung von Antikörpern im Blut durch wiederholte Einwirkung des gleichen spezifischen Antigens auf den Organismus bekannt ist.
Eine weitere sehr wirksame Vorbeugung vor Jungtierkrankheiten liegt in einer stabilen und gesunden mikrobiellen Umgebung. Die Senkung des Infektionsdrucks durch ein modernes Schlagmanagement mittels gezielter Kontrolle der mikrobiellen Population unter Beeinflussung des Platz- und Nahrungsangebots sorgt für eine bisher nicht gekannte Hygiene im Schlag.
Da wir noch nicht gegen den eigentlichen Auslöser der Jungtierkrankheit, das Circovirus impfen können, bestehen die einzigen Vorbeugemaßnahmen in der nachhaltigen und für die Tiere schonenden Reduzierung des Infektionsdrucks und in einer vorhergehenden Stärkung der Abwehrkräfte.
Gut Flug
Alfred Berger
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